Bangladesch: Hoffnung für Teegartenarbeiter und Weber
Die Lebenssituation der in den Teegärten und mit traditioneller Weberei beschäftigten Ureinwohner im Distrikt Moulvibazar ist charakterisiert durch chronische Armut. Arbeitslosigkeit, Krankheit und fehlende Chancengleichheit, letztere oft in Kombination mit offener Diskriminierung, sind die wichtigsten Faktoren, die zu Armut führen. Andheri-Hilfe unterstützt seit Anfang November ein Projekt gegen die Armut im Nordosten Bangladeschs. Es ist das erste integrierte Entwicklungsprojekt, das seit der Entstehung Bangladeschs von einer Organisation in den Teegärten des Landes umgesetzt wird. Die Lebenssituation der Menschen ..
Der Tageslohn eines Arbeiters liegt bei umgerechnet 33 bis 36 Cent, vorausgesetzt, die Erntemenge von 23 Kilogramm Teeblättern wird erfüllt. Häufig werden die Arbeiter betrogen, indem die Waagen manipuliert werden. Kaum eine Familie kann sich zwei Mahlzeiten am Tag leisten. Der Unterricht in den Grundschulen der Teegärten leidet unter schlecht ausgebildeten und unmotivierten Lehrkräften, fehlenden Lehrmaterialien und einer inadäquaten Ausstattung. Weiterführende Schulen liegen weit von den Teegärten entfernt und können insbesondere von den Mädchen nicht besucht werden, da soziale Barrieren zu hoch sind. Es gibt keine Sanitäranlagen und auch kein sicheres Trinkwasser in den Teegärten. Die Notdurft wird in den Büschen verrichtet. Springquellen, oft mit Bleichpulver verunreinigt, dienen als Trinkwasserreservoir. Die Monipuri genannten Ureinwohner, die zweite große Zielgruppe des Projekts, leben traditionell vom Weben und der Landwirtschaft. Auch fertigen sie Holzmöbel an. Sie leben abgeschieden von anderen Gemeinschaften, sind stark individualistisch orientiert und entsprechend wenig organisiert. Sie besitzen nur das Land, auf dem ihre einfachen Behausungen errichtet wurden. Einige wenige besitzen kleinere Parzellen, auf denen sie Gemüse für den Eigenbedarf und Verkauf anbauen. Andere arbeiten als Landarbeiter für einige Monate im Jahr. Die Weber unter ihnen arbeiten mit veralteten Geräten, leiden unter oft hohen Einkaufspreisen für die benötigten Materialien und schlechten Verkaufserlösen. Das durchschnittliche Tageseinkommen der Landarbeiter und Weber beläuft sich auf 65 bis 77 Cent. Wie die Teegartenarbeiter, so erhalten auch die Monipuri kaum öffentliche Dienstleistungen, v.a. im Gesundheitsbereich. Nur wenige Monipuri-Kinder gehen zur Schule. ... und was getan werden soll Nun sollen in einem Zeitraum von drei Jahren in 25 Dörfern und 13 Teegärten 180 Selbsthilfegruppen mit 3.600 Mitgliedern sowie fünf Entwicklungskomitees gebildet werden. 180 junge Menschen werden eine Ausbildung in Schneiderei, Batikdruck & Stickerei und Mechanik erhalten. Neben diesen sechsmonatigen Ausbildungskursen werden jährlich jeweils dreitägige Fortbildungskurse in Milchkuhhaltung, Schweineaufzucht, Ziegenhaltung, Geflügelhaltung, Küchengartenherstellung, Kompostherstellung und biologische Schädlingsbekämpfung, Kostennutzenanalyse und Kleinhandel sowie ein sechstägiger Kurs in Nahrungsmittelverarbeitung durchgeführt. Insgesamt werden dabei 2.640 Menschen unterrichtet. Während der Projektlaufzeit werden Mittel in Form von Krediten für Einkommen schaffende Maßnahmen Jeweils zehn Vorschulen und zehn Grundschulen (1. - 3. Klasse) werden errichtet. 1.200 Kinder werden dabei im Laufe des Projektes erfasst. Die Kinder werden von der Zielgruppe und dem Projektträger gemeinschaftlich ausgewählt. Die Lehrer stammen aus der Zielgruppe und werden gezielt auf den Lehrauftrag vorbereitet. Neben einer fundierten Grundbildung soll über regelmäßige Treffen mit Lehrern im Projektgebiet, mit Vertretern der Lokalverwaltung und einflussreichen Persönlichkeiten unter den Bengalen und den Ureinwohnern erreicht werden, dass die Ureinwohner mehr Anerkennung erhalten. Bestehende Vorurteile sollen auf beiden Seiten überwunden werden; Brücken der Verständigung sollen errichtet werden. Beides, eine qualifizierte Grundbildung für die Kinder von Ureinwohnern und verbesserte Rahmenbedingungen vor allem in Gestalt eines für die Anliegen der Ureinwohner aufgeschlossenes Umfeldes, wird durch das Vorschul- und Grundschulprogramm erreicht. Sauberes Wasser, sanitäre Anlagen und ein entsprechendes Hygieneverhalten sind wichtige krankheitsverhindernde Faktoren. Für arme Haushalte sind diese Faktoren oft unerschwinglich bzw. nicht gegeben. Das Projekt berücksichtigt alle genannten Faktoren durch eine Reihe von Projektmaßnahmen, wie dem Bau von 400 Latrinen und 50 Brunnen, Gesundheitserziehung und Anlage von Küchengärten, denn Krankheiten verhindern Arbeitsleistungen, zwingen die Familien zu unproduktiven Ausgaben und untergraben die Nahrungs- und Ernährungssicherung. Da das Projekt gemeinsam mit Vertretern der Zielgruppe geplant wurde, hat sie bereits ein starkes Bewusstsein entwickelt, dass es sich hier um "ihr" Projekt handelt. Bereits während der gesamten Projektlaufzeit werden lokale Eigenleistungen mobilisiert und die Zielgruppe in die Durchführung, die Projektüberwachung und die Instandhaltung von durch das Projekt geschaffenen Einrichtungen eingebunden. Dieses Wissen bzw. dieser Beitrag stärkt das Verantwortungsgefühl der Zielgruppe für das Projekt und sichert den nachhaltigen Erfolg desselben. Das Projekt hilft 3.600 Familien. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat einen Zuschuss in Höhe von 269.631 Euro (75% der gesamten Projektkosten) bewilligt. |
||||||||
|
|
||||||||