Adivasi kämpfen für ihre Rechte
"Umwelt-Farce" Den Preis zahlen die Ureinwohner
Frau Tokala Akkamma hat das ganze Leben in ihrem Dorf verbracht. Dort bewirtschaftet sie ihre kleinen Felder und besitzt einige Tamarinden- und Mangobäume. Davon kann sie nur ein karges Leben führen, ein Leben, sehr ähnlich dem ihrer Vorfahren. Tokala ist eine "Adivasi", ihr Stamm gehört zu den "ersten Siedlern Indiens". Die Adivasi haben es nicht leicht. Das Überleben zu sichern ist eine ständige Herausforderung. Zudem versuchen Fremde immer wieder, ihnen ihr Land streitig zu machen. Von den "Nicht-Adivasi" werden sie stark diskriminiert. Dennoch wollen sie ihre Heimat und ihren Lebensstil nicht aufgeben. Hier sind ihre Wurzeln. Hier ruhen ihre Ahnen. Hier leben ihre Götter. Seit dem Jahr 2005 ist eine weitere Bedrohung hinzu gekommen. Immer mehr hört man vom geplanten "Polavaram Staudamm Projekt". Tokala berichtet, dass sie alle sehr erstaunt waren, als 2005 (erstmals!) Regierungsvertreter in ihr abgelegenes Dorf kamen. Ja, sie erwähnten wohl etwas von einem Staudamm. Aber sie sprachen vor allem davon, was sie - die Dorfbewohner - alles erhalten würden: fruchtbares Land, Häuser, Schulen usw. Tokalas Heimat zählt zu den etwa 300 Dörfern, die vielleicht demnächst für immer von der Landkarte verschwinden werden. Die Pläne für den Polavaram-Damm an der Godavari existieren seit Jahrzehnten. Je nach Regierung wurden sie mal ernsthaft verfolgt, dann wieder in die Schublade gelegt. Doch die jetzige Regierung will ernst machen, will für Bewässerung sorgen und vor allem für Elektrizität für die großen Städte und die Industrie. Dabei haben die Überschwemmungen im August 2006 im Gebiet der Godavari ein weiteres Risiko deutlich gemacht: Wäre der Damm bereits gebaut, so wären die Schäden noch weit größer gewesen als ohnehin schon. Die Baukosten werden enorm sein und erfahrungsgemäß nicht bei den Planzahlen bleiben. Aber den größten Preis wird nicht die Regierung zahlen. Den höchsten Preis werden die Adivasi zahlen. Selbst nach Regierungsangaben werden mindestens 236.834 Menschen ihre Heimat verlieren. Sie alle umzusiedeln, ihnen allen angemessene Entschädigung zu gewähren, das scheint völlig utopisch. Spätestens seit dem Bau der Narmada Staudämme vor zwanzig Jahren weiß man, dass die Versprechungen nicht eingehalten werden und nur ein kleiner, meist besser gestellter Teil der Bevölkerung entschädigt wird. Die einfachen Leute wie Tokala haben keine schriftlichen Landtitel. Ohne Landtitel keine Entschädigung! Wen interessiert es, ob diese Stämme hier seit Jahrhunderten gelebt haben? Und was die Bewässerungsmöglichkeiten angeht: Da gibt es weit bessere Lösungen, die weniger Zerstörung und nachhaltigere Hilfe bringen. Der Energiehunger von Industrie und Großstädten ist sicher ein drängendes Problem - aber müssen die Adivasi den Preis dafür zahlen? ... deshalb brauchen sie Hilfe, um sich zu wehren! Die Andheri-Hilfe unterstützt seit April 2005 drei Partnerorganisationen im Gebiet des geplanten Polavaram Staudamms im Kampf um ihr Überleben. Viele Dorfbewohner des betroffenen Gebietes hatten bis dato keine Kenntnis vom Bau des Staudamms und dessen Auswirkung auf ihr zukünftiges Leben. Hier setzte die Arbeit unserer Partner an: freiwillige Helfer informieren die Bevölkerung, helfen bei der Bildung von Komitees, organisieren Treffen und Protestaktionen, helfen beim Erlangen der so wichtigen schriftlichen Landtitel und sammeln Daten über die tatsächlichen Zerstörungen durch diesen Staudamm, die sie den Regierungsstellen vorlegen. So werden Erfolge erzielt Die Arbeit zeigt wichtige Fortschritte. Die Adivasi wissen heute um die Bedrohung und auch um ihre Rechte als indische Staatsbürger. Verstärkt finden Protestaktionen statt, die die politischen Kräfte in Bedrängnis bringen. Die Stimmen der betroffenen Adivasi, die jetzt in ihren ARS-Komitees organisiert sind, werden immer stärker gehört. Die demokratische Struktur des Landes bietet wertvolle Chancen:
Genau deshalb machen wir weiter, unterstützen wir unsere drei Partnerorganisationen bei der Aufklärung der Bevölkerung, bei der Sammlung von Daten, bei der Verhandlung mit der Regierung, beim Kampf um ihre Rechte. Als mündige, aufgeklärte Bürger Indiens sollen sie ihre Entscheidung frei treffen können, denn es geht um ihr Leben und das ihrer Kinder. Wenn auch Sie diese Menschen unterstützen wollen, helfen Sie uns mit einer Spende unter dem Stichwort: "Polavaram". Danke!
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