 |
Ein Projekt zur Rechtsberatung, Aufklärung und Organisation
von Adivasi in Gujarat
Zurück
Unsere Partnerorganisation Rajpipla Social Service Society, die im westindischen Bundesstaat Gujarat seit Jahrzehnten für die Rechte und Organisation von Ureinwohnern - sog. Adivasi - eintritt, unterstützt die Adivasi bei ihrem Kampf um Landrechte mit größtmöglichem Einsatz. Die Stammesangehörigen leben nicht nur in extremer Armut, werden von anderen Volksgruppen stark ausgebeutet und sind zunehmend zur Zielscheibe fanatischer Hindufundamentalisten geworden. Immer wieder mussten sie ihr angestammtes Land verlassen und ihre Menschenrechte werden mit Füßen getreten. Die größte Bedrohung ging in den letzten Jahres von den staatlichen Forstbehörden aus, seit die oberste indische Forstbehörde im Mai 2002 an alle Bundesstaaten ein Dekret erlassen hat, das die Ausweisung von in Forstgebieten lebenden Adivasis ohne offiziellen Besitztitel vorsah. Rund eine Million Adivasis in Gujarat waren von der Vertreibung ihres oft seit Generationen bewirtschafteten Landes bedroht. Meist besitzen sie keine Papiere für das ihnen rechtmäßig zustehende Land. Ihnen drohte das Schicksal, sich in einem der zahlreichen Slums der Großstädte wieder zu finden.
Unser Partner klärt die Ureinwohner über ihre Rechte auf, bietet kostengünstige Rechtsberatung an und unterstützt laufende Prozesse. Mitarbeiter gehen in die Dörfer und stärken die kulturelle Identität der Bevölkerung, leisten soziale sowie politische Aufklärungsarbeit. Bereits vor einigen Jahren wurde eine Dachorganisation der Adivasi "Jai Adivasi Maha Sangh" gegründet, die eine zunehmende Rolle im Kampf um Landrechte spielt. Inzwischen sind viele Adivasis in der Lage ihre Probleme als Rechtsprobleme zu erkennen und wissen um die rechtlichen Möglichkeiten und Schritte. Immer wird zunächst eine gütliche Regelung der Beteiligten angestrebt, meist mit Einbeziehung der Dorfältesten. Neben Landrechtsfragen gibt es viele Fälle, dass Tagelöhnern die Gehälter vorenthalten werden sowie Ehestreitigkeiten.
Wie ein roter Faden zieht sich die Thematik der Land- und Nutzungsrechte in Waldgebieten durch die Arbeit der letzten Jahre. Vier Jahre lang haben zivilgesellschaftliche Gruppen in Indien - insbesondere Organisationen der Ureinwohner - mit großem Engagement für ein neues Gesetz zur Anerkennung ihrer Waldrechte (sog. forest bill) gekämpft. Und das von uns unterstützte Projekt hat einen großen Beitrag geliefert. Aufklärungskampagnen, Theatervorstellungen und Dorfversammlungen wurden organisiert. Die Ureinwohner wurden mobilisiert an zahlreichen Kampagnen, Sitzstreiks und Anhörungen aktiv teilzunehmen. Der Zusammenschluss von 43 Adivasi Organisationen in Gujarat "Adivasi Mahasabha Gujarat" - geleitet von unserem Partner - spielte eine führende Rolle bei der politischen Lobbyarbeit zur Formulierung und Durchsetzung des neuen Gesetzes auf Bundesstaats- und nationaler Ebene. Die Verabschiedung der Gesetzesvorlage zur Anerkennung von Waldrechten durch das nationale Parlament im Dezember 2006 ist ein Meilenstein für die Stammesangehörigen sowie andere traditionelle Waldbewohner. Es ist eine entscheidende Voraussetzung zur Sicherung ihrer Lebensgrundlagen und Ernährung. Damit wurde endlich eine in der Kolonialzeit begründete Ungerechtigkeit an diesen Bevölkerungsgruppen korrigiert. Unzählige Adivasi wurden in der Vergangenheit aus ihren angestammten Waldgebieten vertrieben. Sei es durch so genannte Entwicklungsprojekte wie den Bau von großen Staudämmen, den Abbau von Bodenschätzen oder die Konkurrenz durch Siedler. Oft wurden die Ureinwohner unter dem Vorwand des Naturschutzes von Forstbehörden und anderen Lobbygruppen gezwungen, ihr Land zu verlassen, nicht selten gewaltsam. Die wertvollen Waldressourcen wurden dann gewinnbringend von anderen genutzt. Das neue Gesetz garantiert jetzt nicht nur den offiziell anerkannten Stammesangehörigen (sog. Scheduled tribes) sondern auch anderen Bevölkerungsgruppen, die traditionell in und von Waldgebieten leben wie nomadische Viehhalter, einen Anspruch auf Landrechte und die nachhaltige Nutzung von Waldressourcen. Den Dorfgemeinden wurde die Autorität über die Wälder, die sie traditionell genutzt und erhalten haben, übertragen, damit sie diese weiterhin schützen und verwalten können. Die Dorfversammlung "Gram Sabha" entscheidet in Anhörungen über Rechte und Nutzung. Auch die Rechte von Frauen wurden gestärkt. Landtitel werden in Zukunft gemeinsam für Ehemann und -frau vergeben.
In den letzten drei Jahren - der ersten Phase des von uns unterstützten Projektes - wurde bereits viel erreicht. Die zweite dreijährige Phase hat jetzt angefangen. Die betroffene Bevölkerung muss über die genauen Inhalte und Konsequenzen des Gesetzes informiert werden. Selbsthilfeorganisationen in den Dörfern müssen aufgebaut und gestärkt werden, damit sie ihre Rechte z.B. gegenüber korrupten Forstbehörden, die sie weiterhin drangsalieren, durchsetzen können. Die Dorfversammlungen müssen ausgebildet werden, um ihre wichtige Funktion erfolgreich wahrnehmen zu können. Lokale Führungspersönlichkeiten (Frauen, Jugendliche und Männer) bzw. Leiter der Selbsthilfeorganisationen sollen aus- und fortgebildet werden, damit sie den Entwicklungsprozess in ihren Dörfern eigenständig weiter führen können. Und die Ausführungsvorschriften zu dem Gesetz müssen noch erarbeitet bzw. aufmerksam verfolgt werden. Hierfür stellt die Andheri-Hilfe weiterhin ausreichend Mittel für die Projektarbeit der Rajpipla Social Service Society zur Verfügung.
|
 |