Tamil Nadu: Dalit-Frauen kämpfen gegen Diskriminierung
Sie gelten als unrein. Sie gelten als Sünder. Sie haben ihr Schicksal verdient, so die langläufige Meinung. Sie dürfen nicht den Dorf-Tempel betreten, nicht mit Hindus einer höheren Kaste zusammen im Linienbus fahren, dürfen keine offenen Schuhe auf den Straßen der "besseren" Wohnviertel tragen und nachdem sie ein öffentliches Telefon benutzt haben, müssen sie es mit einem sauberen Handtuch abwischen. So sieht religiöse Diskriminierung in Indien aus. Doch die Frauen aus Natham in Tamil Nadu wollten sich diese Behandlung nicht länger gefallen lassen. Mit Unterstützung der Andheri-Hilfe Partnerorganisation KIRUPA, haben sie sich zu Gruppen zusammengeschlossen, um für ihre Rechte und gegen diese religiös begründete Diskriminierung zu kämpfen.
Seit 1998 läuft das Projekt und viel wurde erreicht: So haben die Frauen das Recht erstritten, den Dorftempel zu betreten. Von der Polizei eskortiert, um gewalttätige Übergriffe der Hindus zu vermeiden, feierten sie ihr erstes Tempelfest. Sie dürfen nun Wasser aus dem Dorfbrunnen schöpfen und auch den Bus benutzen. Sie haben Anträge bei der Regierung gestellt und neue Dorfstraßen bekommen. Auch die Trinkwasserversorgung wurde verbessert. Doch die Hindus wollten sich wehren. Denn sie brauchen die Dalits als billige Arbeitskraft und es ist nicht in ihrem Sinne, wenn diese für ihre Rechte kämpfen. Sie sperrten die Arbeiter aus und wollten neue aus den Nachbardörfern anstellen. Glücklicherweise ging ihre Rechnung nicht auf. Die Dalits sind mittlerweile so gut organisiert, dass sie die Menschen der Nachbardörfer überzeugen konnten, die angebotene Arbeit nicht anzunehmen, sondern vielmehr zu ihnen zu halten und sie im Kampf gegen Diskriminierung zu unterstützen. Mit Erfolg: die Dalits durften ihre Arbeitsplätze behalten und die Hindus mussten sich mit der neuen Situation abfinden. Nun beginnt die letzte Phase des Projekts: die Dalit-Frauen haben den Wunsch geäußert, einen kleinen Nebenerwerb zu gründen. Sie möchten eine Milchkuh halten und die Milch verkaufen oder einen kleinen Teeladen eröffnen. Hierbei werden sie nun von der Andheri-Hilfe und KIRUPA unterstützt, erhalten das Startkapital und das nötige buchhalterische Wissen, damit sie auch diesen letzten Schritt in die Unabhängigkeit gehen können. Die Frauen, die eine finanzielle Unterstützung im Rahmen dieser Einkommen schaffenden Maßnahmen aus Projektmitteln erhalten, sollen, nach dem erste Gewinne gemacht wurden, den Gegenwert in einen revolvierenden Kreditfonds zurück zahlen. Diese Gelder werden dann an weitere Frauen als Kredite vergeben. Die Gruppen selbst sind verantwortlich für die regelmäßige Rückzahlung und die Festlegung des Zinssatzes. Wenn sie die Frauen hierbei unterstützen möchten, geben Sie bitte bei Ihrer Spende die Nummer I-62-36/98 an.
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