 |
Tätigkeitsbericht 2007
1. Projektarbeit in Indien/Bangladesch
Die Menschen in Not standen auch im Jubiläumsjahr 2007 im Mittelpunkt unserer Aktivitäten. "In Not" können sie aus wirtschaftlichen Gründen sein - oft reicht das Einkommen kaum zum Überleben. Hier helfen Spar- und Kreditgruppen, Einkommensprojeke und die Nutzung von Regierungsprogrammen. Schul- und Berufsausbildung schaffen neue Chancen für die junge Generation.
Aber auch im Kampf gegen „soziale Not“ engagieren wir uns, wenn es etwa um Kinderheirat oder Mitgiftpraxis, um Unterdrückung der Frauen oder Diskriminierung von Kastenlosen geht. Bewusstseinsbildung und Organisation der Betroffenen sind hier ebenso wichtig wie die Einbeziehung des sozialen Umfelds.
Menschenrechtsfragen spielen eine immer stärkere Rolle, wenn z.B. Ureinwohner (Adivasi) von ihrem Land vertrieben oder Hausangestellten ihre Grundrechte vorenthalten werden. Hier ist die erste Aufgabe, diese Menschen über ihre Rechte zu informieren und ihnen dabei zu helfen, diese durchzusetzen.
Der Schutz und die Regenerierung der natürlichen Ressourcen spielen eine ganz wesentliche Rolle, wollen wir Lebenschancen für gegenwärtige und zukünftige Generationen erhalten. "Wassermanagement-Projekte" schaffen Überlebensmöglichkeiten in Dürregebieten und stärken gleichzeitig ein neues Miteinander - über die Grenzen von Kaste und Klasse hinaus. Menschen mit Behinderungen, insbesondere Blinde, werden in unseren Projekten einerseits medizinisch und therapeutisch gefördert, andererseits geht es um ihre Anerkennung als wertvolle Mitglieder der Gesellschaft.
Wir freuen uns, dass wir im Jahr 2007 wieder 31 Projekte schließen, d.h. in die Verantwortung der Menschen vor Ort übergeben konnten. So waren die neu eingegangenen Spenden frei für neue Projekte: In 2007 wurden 239 Neuanträge - dazu eine Vielzahl von Verlängerungs-/Erweiterungsanträgen - intensiv geprüft. Wir konnten 92 neue Projektverträge abschließen, teils für ganz neue Projekte, teils für Verlängerungen oder Ausdehnungen bereits geförderter Projekte (75 Indien, 17 Bangladesch).
Hervorheben möchten wir die Ziele des "Jubiläumsprojektes 2007":
Mit Sonderspenden in Höhe von 150.000 Euro konnten wir zusätzliche Biogas-Anlagen, Toiletten sowie Solarlampen finanzieren, ehemaligen Kinderarbeitern eine Berufsausbildung ermöglichen, Augenoperationen finanzieren, Frauen einen Kleinkredit für ein Einkommensprojekt gewähren und mehr als 1.000 Küchengärten anlegen lassen.
Für die Überlebenden des Wirbelsturm "SIDR" in Bangladesch im November 2007 bewilligten wir Anfang 2008 120.000 Euro. Damit konnten wir 2.327 Familien eine Starthilfe für den Wiederaufbau ihrer wirtschaftlichen Lebensgrundlage geben.
Derzeit fördern wir mehr als 200 Projekte in Indien und Bangladesch (23 davon in Bangladesch, darunter das landesweite Programm "Blindheit bekämpfen"). Die Zahl der Projekte hat sich über die Jahre verringert, während gleichzeitig mehr Menschen erreicht werden: Eine Entwicklung weg von kleinen Einzelmaßnahmen (wie z.B. Instandsetzung eines Wasserspeichers) hin zu integrierten Entwicklungsprojekten für mehrere Dörfer.
Bei all diesen Aufgaben spielen unsere Koordinatoren vor Ort - der Andheri Trust in Indien und die Caritas in Bangladesch - eine besondere Rolle. Die einheimischen MitarbeiterInnen besuchen Antragsteller und Partner, überwachen den korrekten Einsatz der Mittel, planen mit den Partnern für die Zukunft, organisieren Workshops und Seminare.
In 2007 wurde die Zusammenarbeit mit dem Andheri Trust weiter gestärkt: In intensiven Diskussionen mit den Vorständen von Andheri-Hilfe und Andheri Trust wurde entschieden, mehr Verantwortung für ausgewählte Projekte in die Hände des Trust zu legen. So wurde 2008 erstmals ein "Partnerschafts-Fonds" in Höhe von 100.000 Euro bewilligt.
2. Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit
Das Jahr 2007 stand ganz im Zeichen unseres Jubiläums: "40 Jahre Andheri-Hilfe" und der Jahrespartnerschaft mit der Stadt Bonn. Unser besonderer Dank gilt der Bonner Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann und ihren MitarbeiterInnen. Ihre Unterstützung machte sowohl die Auftaktveranstaltung als auch die Abschlussfeier im Alten Rathaus zu glanzvollen Höhepunkten dieses Jahres. Auch die Kooperation mit den Medien, allen voran dem Bonner Generalanzeiger, war außerordentlich positiv! Eine Fachtagung, eine Fotoausstellung, Benefizkonzerte und Geburtstagsfeiern - vor allem der 80. Geburtstag unserer Gründerin und Ehrenvorsitzenden Rosi Gollmann - rundeten das Programm ab.
Das Medieninteresse an der Andheri-Hilfe war in 2007 außergewöhnlich groß. Schon zu Jahresbeginn wurde der neue Dokumentarfilm von Franz Alt: "Das Wachstum steigt - die Armut bleibt" gleich mehrfach ausgestrahlt. Zwei Portraitfilme über Rosi Gollmann sorgten für Aufmerksamkeit: „Rosi Gollmann - engagiert für mehr Menschlichkeit“ (SWR) und "Eine bessere Welt ist möglich. Rosi Gollmann - eine Frau geht ihren eigenen Weg" (HR). Dazu kamen Radiointerviews und mehr als 100 Presseberichte.
Unsere Internet-Seite www.andheri-hilfe.de war gefragter denn je: Hielten wir die Zugriffszahl von 71.908 im "Nach-Tsunami-Jahr 2005" für einen Rekord (nach 26.844 in 2004), so wuchs die Zugriffszahl in 2007 sogar auf 85.473.
Großen Wert legten wir auch in 2007 auf die Kontakte mit jungen Menschen, vor allem im Rahmen von Vorträgen und Aktionen an Schulen. Ganz wichtig waren auch wieder die zahlreichen Basare, veranstaltet von vielen Gemeinden und Gruppen. Sie dienen nicht nur der Spendensammlung, sondern gleichzeitig der Information und Motivation zum Engagement für unsere eine Welt.
Zeichen dieses Engagements ist auch unsere Beteiligung an der Kampagne "Deine Stimme gegen Armut". Aktuelle Infos finden Sie unter www.deine-stimme-armut.de .
Auch in 2007 hat die Andheri-Hilfe keine Adressen gekauft. Spendenwerbung fand somit vor allem durch die Medienberichterstattung statt (jedoch nie finanziert von der Andheri-Hilfe), durch die Veranstaltungen und den vierteljährlichen Versand des Andheri-FORUM an die Spenderinnen und Spender.
Darüber hinaus wurden ausgewählte Spender angeschrieben mit der Bitte um Förderung eines speziellen Projektes, u. a. nach der Wirbelsturmkatastrophe in Bangladesch.
Auszeichnung von PWC
2007 hat PricewaterhouseCoopers zum dritten Mal in Folge deutsche Spendenorganisationen, die eine vorbildliche Berichterstattung vorweisen können, mit dem Transparenzpreis ausgezeichnet. Die Andheri-Hilfe erhielt einen Sonderpreis.
3. Vorstand/Aufsichtsrat
Aktuelle Informationen zu unseren Gremien finden Sie auf der folgenden Seite unter dem Titel "Unsere Gremien" und auf unserer Internet-Seite unter www.andheri-hilfe.de/struktur.
4. Mitglieder
Die letzte Mitgliederversammlung fand am 18.08.2007 statt.
Die Zahl der Mitglieder hat sich im Jahr 2007 um acht Mitglieder auf 655 erhöht.
5. Geschäftsstelle
Auch in 2007 war eine erfreuliche Kontinuität in der Geschäftsstelle festzustellen:
Geschäftsführer August Ilg, vier ProjektreferentInnen, zwei MitarbeiterInnen in der Buchhaltung, eine Referentin im Bereich Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit, eine Sekretärin und je eine Mitarbeiterin für Basargruppenbetreuung und Büroreinigung bildeten das Team der Andheri-Hilfe. Fünf von ihnen arbeiteten in Teilzeit. Die Vergütung erfolgt wie für vergleichbare Positionen im öffentlichen Dienst in Anlehnung an BAT/TVöD.
Mehr als 200 Projekte eng zu begleiten, neue Partner und Projekte mit größter Sorgfalt auszuwählen, hochwertige Angebote für Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit zu machen, die SpenderInnen in persönlicher Weise zu betreuen, die Buchhaltung entsprechend allen gesetzlichen Regeln und den Anforderungen der Wirtschaftsprüfer, des DZI usw. zu führen, all das ist mit einem so kleinen Team nur möglich, weil sich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit großem Engagement einbringen und sie zudem unterstützt werden von vielen Ehrenamtlichen und von PraktikantInnen.
Ein großes Dankeschön an sie alle!
6. Mitgliedschaften
Die Andheri-Hilfe ist Mitglied bei VENRO (Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen) und beim Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband.
7. Spendensiegel des DZI
Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen in Berlin hat der Andheri-Hilfe auch in 2007 wieder das "Spendensiegel" als „Zeichen geprüfter Seriosität und Spendenwürdigkeit“ zuerkannt.
Zu den Jahresberichten
|
 |