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Pressespiegel - Was andere über uns schreiben und sagen

natur + kosmos, Ausgabe November 2008:

Der steinige Weg zum Gemüse

Die Andheri-Hilfe Bonn unterstützt Bauern in Indien, ihre Ernte durch Öko-Landbau zu steigern.

Bhagyamma und die anderen Bauern im Dorf Danthanoor im indischen Bundesstaat Andra Pradesh hatten es bis vor wenigen Jahren nicht leicht. Die Dürren werden immer härter, Trockengebiete breiten sich aus. Und wenn der Monsun doch mal kommt, spült er einen Großteil ihrer Äcker in den Fluss. Nur in guten Jahren gelang es Bhagyamma, wenigstens ein Viertel ihres ein Hektar kleinen Landes mit Reis zu bestellen. Oft musste sie Schulden machen, um Saatgut, Dünger und Pflanzenschutzmittel zu kaufen. Folgte darauf eine weitere Miss-ernte, musste ihre Familie hungern.

Doch seit die Andheri-Hilfe mit einem indischen Partner das Projekt im Dorf gestartet hat, ist vieles besser geworden. Die Helfer bildeten mit den Dorfbewohnern ein Komitee, das die Projektplanung übernahm. Und dann lernten die Bauern, Stein- und Erdwälle entlang der Hänge anzulegen, damit der Regen nicht so schnell abfließt und im Boden versickern kann. Sie lernten, Teiche auszuheben, in denen man Fische züchten kann, und mit deren Wasser man nicht nur Reis, sondern auch viel genügsameres Gemüse bewässern kann. Und sie lernten, wie Bäume und Sträucher den Boden festigen und seine Fruchtbarkeit erhöhen. Zudem liefern sie dauerhaft Viehfutter, Brennholz und Baumaterial - wenn man nicht zu viel auf einmal schlägt. Das Beste aber ist: Wer all diese Maßnahmen beherzigt, braucht auch keine teuren Dünger und Pestizide mehr, damit etwas gedeiht.

So ernten die Bauern von Danthanoor heute neben Reis auch Zwiebeln, Tomaten, Chilis, Spinat, Jasmin und Sonnenblumen. "Jetzt kann ich nicht nur meine Familie gesünder ernähren", freut sich Bhagyamma, "sondern auch noch jeden Tag etwas Gemüse auf dem Markt verkaufen."

Spenden: Sparkasse KölnBonn, Konto 40006, BLZ 37050198, Stichwort: "Wasser"

Bild: Mit ein wenig Hilfe können indische Bäuerinnen trotz Trockenheit Gemüse anbauen.

Zum Artikel auf der natur+kosmos - Homepage

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18. Oktober 2008 - Allgemeine Zeitung - Mainz

Die Assistentin von St. Martin

Dank ihrer "kleinen Botschafter" können 300 Menschen wieder sehen

Einen Blinden wieder sehend machen - oft muss dafür ein Wunder her, aber manchmal reichen schon 40 Euro. Die Lehrerin Ulrike Hanschur und ihre kleinen "Botschafter für mehr Menschlichkeit" haben bereits 300 Menschen das Augenlicht geschenkt. Und gerade in der Zeit um St. Martin ist das Thema aktuell.
Von Kirsten Strasser

Kinder und ihre Schicksale, sie rühren Ulrike Hanschur. Ob es nun um Kinder in ihrer Klasse geht - die 47-Jährige ist Lehrerin an der katholischen Martinushauptschule Weißliliengasse -, oder um ein kleines Mädchen aus Bangladesch. Hasna war elf, als sie erblindete und zu einem Leben in völliger Dunkelheit verurteilt schien. Und sie war 14, als ein gütiges Schicksal dieses Urteil wieder aufhob. Die Andheri-Hilfe aus Bonn ermöglichte dem Kind die Operation - und schenkte ihm Licht und Leben.

Ulrike Hanschur, die vor dem Fernseher saß und den Bericht über Hasna und ihre Rettung sah, war fassungslos: Einen Menschen in Bangladesch am Grauen Star zu operieren, kostet gerade mal 40 Euro. Wieder sehen können - für den Preis von fünf Pizzas! Die Lehrerin erzählte "ihren" Kindern in der 5a von Hasnas Rettung. Und so begann vor zwei Jahren ein Schulprojekt, das bis heute gewachsen und gewachsen ist.

Jetzt sind Ulrike Hanschurs Schüler bereits in der siebten Klasse - und immer noch für die Andheri-Hilfe aktiv. Selbstverständlich ist das nicht - denn ihr Projekt begann als an der Schule übliche Martinsaktion, und die ist normalerweise auf ein paar Wochen begrenzt. Auch Ulrike Hanschurs Schüler begannen ganz klein. Buken Kuchen und verkauften ihn, starteten eine "Blinden"-Aktion auf dem Leichhof, liefen mit der Spendenbüchse herum, texteten ein Lied, das Ulrike Hanschurs Ehemann Jürgen dann vertonte. Doch den Kindern fielen immer neue Espresso

Ideen ein, wie sie denn zu Geld für die Andheri-Hilfe kommen könnten - und so wurde aus der Martinsaktion schließlich ein Dauer-Projekt. "Manchmal bin ich schon sehr gerührt, wenn ich ihre Hilfsbereitschaft spüre", lächelt Ulrike Hanschur. "Manche Kinder haben schon ihr komplettes Taschengeld für unser Projekt abgeliefert. Und gerade die Jungen und Mädchen, denen es vielleicht nicht so gut geht, die wollen am meisten helfen."

Ulrike Hanschurs Truppe wurde weit über die Grenzen von Mainz hinaus bekannt. Sogar das Fernsehen berichtete über die kleinen "Botschafter für mehr Menschlichkeit", wie sie bald hießen. Bereits mehrmals durften sie nach Bonn reisen - und dort die Frau kennen lernen, die die Andheri-Hilfe vor 40 Jahren gegründet hat. Rosi Gollmann, eine heute 80-jährige ehemalige Religionslehrerin, nahm die Mainzer Kinder ganz fest in ihre Arme. "Sie ist eine tolle Frau", ist auch Ulrike Hanschur froh, dass sie die alte Dame, die so viel für die Menschen in Bangladesch tut, kennenlernen durfte.

Die kleinen "Botschafter" sind schon mehrfach ausgezeichnet und von Ministerpräsident Kurt Beck empfangen worden. Was sie aber ganz besonders stolz macht: Das Emblem der mobilen Augencamps in Bangladesch, in dem die Menschen operiert werden, ist heute das Symbol der Martinusschule - der Heilige Martin. "Als die Kinder das auf Fotos gesehen haben, waren sie sehr glücklich", freut sich Ulrike Hanschur mit den Kindern.

Ulrike Hanschur und die "Botschafter" vorm Schutzpatron ihrer Schule, dem St. Martin. In ihren T-Shirts proben die Kinder für einen großen Auftritt - sie sind an diesem Samstagabend zu Gast bei der "World Sharety Gala" in Frankfurt. Foto:Sascha Kopp

300 Menschen haben die Mainzer "Botschafter" schon die Augen-OP ermöglicht, und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. "Wir werden immer mehr", lacht die 47-Jährige, deren eifrigster Assistent in Sachen Andheri-Hilfe übrigens Sohn Leonard (11) ist. Mittlerweile unterstützen auch andere Klassen der Martinusschule das Projekt, und die Messdiener der Pfarreiengemeinschaft Langenlonsheim sind auch eingestiegen. Der Botschafter-Rap "Hey Du, komm mach doch mit" ist mittlerweile offizielles Lied der Andheri-Hilfe, und Ulrike Hanschurs Kinder werden es auch an diesem Samstagabend singen, wenn sie bei der "World Sharety Gala" in Frankfurt auftreten.

"Auch Du bist Sankt Martin", das ist der große Gedanke, den die Budenheimerin Ulrike Hanschur ihren Schülern vermitteln will. Aber nicht nur die Blinden in Bangladesch profitieren von dem Projekt, sondern auch die Kinder selbst. "Sie erreichen viel, und das macht selbstbewusst. Es wird sie voranbringen", ist sich die Pädagogin ganz sicher.

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Kölner Stadtanzeiger vom 19.06.08

Schule und Brunnen gebaut

Von SUSANNE NEUMANN

Rosi Gollmann gründete im Jahr 1967 die Andheri-Hilfe Bonn. Auch das Brühler St.-Ursula-Gymnasium engagiert sich für das Projekt, das Arme in Indien und Bangladesh unterstützt. Chor, Orchester und Bigband des St.-Ursula-Gymnasiums Brühl gaben ein Sommerkonzert zugunsten der Andheri-Hilfe.
Wenn das St.-Ursula-Gymnasium zum Sommerkonzert in das Atrium der Schule einlädt, profitiert normalerweise die Fachschaft Musik von den Spenden der Zuhörer. In diesem Jahr ist das anders. Die rund 2 000 Euro, die am Dienstagabend aus den Reihen des Publikums gespendet wurden, fließen ohne Abzug in ein noch auszuwählendes Projekt der „Andheri-Hilfe Bonn“. Der Anlass: Seit 40 Jahren unterstützen Schüler, Eltern und Lehrer des St.-Ursula-Gymnasiums diese Organisation, die die Bonnerin Rosi Gollmann im Jahre 1967 gründete und die in Indien und Bangladesh Armen und Kranken hilft, sich selbst zu helfen.
Insgesamt fast 471 000 Euro hat die Schule zwischen 1968 und 2007 in Projekte der Andheri-Hilfe Bonn gesteckt. Alle zwei Jahre schnellen die Jahreserträge, die aus Spenden und Aktionen der Schüler zusammenkommen, auf weit über 20 000 Euro hoch. Nämlich dann, wenn das Gymnasium wieder ein Schulfest zugunsten seiner Andheri-Hilfe-Projekte veranstaltet. „Wir wollen keine Rekorde aufstellen, es geht um die Sache“, bleibt Schuldirektor Werner Otte bescheiden. Im Mittelpunkt stehe das Schulfest, bei dem die Klassen mit Aufführungen und Spielen für gute Unterhaltung sorgten und gestiftete Speisen und Getränke Geld für Indien in die Kasse brächten. Sie spüre an dieser Schule den „Geist der Freude“, bestätigt Rosi Gollmann. „Es muss ja nicht immer Mitleid sein, das zum Helfen motiviert.“
Eine Lehrerin des Gymnasiums hatte die damalige Schuldirektorin Maria Strack im Jahre 1968 dafür gewinnen können, der Schülerschaft die Unterstützung der Andheri-Hilfe Bonn vorzuschlagen. Fast alle Klassen übernahmen damals Patenschaften für Kinder, die in einem indischen Kinderheim unter menschenunwürdigen Bedingungen lebten. Noch im gleichen Jahr organisierte die Schule den ersten „Andheri-Bazar“, der seitdem regelmäßig stattfindet und zwischen 1968 und 1982 273 280 Mark für das Kinderheim einbrachte. 1982 stemmte die Schule dann ihr erstes eigenes Projekt: Sie finanzierte den Bau einer Schule und eines Kinderzentrums, in dem Kinder leprakranker Eltern tagsüber betreut werden. Als sich dieses Projekt selbst trug, finanzierte das Gymnasium den Bau, die Ausstattung und sogar den Unterhalt eines Behandlungszentrums für körperbehinderte Kinder in Südindien. Das Zentrum trägt den Namen „Ursula“. Zwischen 1998 und 2004 trug das St.-Ursula Gymnasium finanziell ein Projekt gegen Kinderarbeit. Am Bau von Brunnen in 43 indischen Dörfern beteiligte sich die Schule bis 2006.
„Wir müssen der Andheri-Hilfe Bonn jedesmal zusichern können, dass wir den finanziellen Bedarf eines neuen Projekts aufbringen werden“, erklärt Studiendirektor Wilhelm Schumacher, der sich am St.-Ursula-Gymnasium um die Andheri-Hilfe kümmert. „Bisher haben wir das immer geschafft. Und wir sind zuversichtlich, dass das auch so bleibt.“ Welches große Projekt als Nächstes gestemmt wird, steht noch nicht fest.

 

Kölner Stadtanzeiger vom 14.05.2008

Labyrinth für globale Hilfsprojekte

Bonn - Im weiten Grün der Rheinaue fällt es direkt ins Auge. Dort unten im Tal, auf der Kleinen Blumenwiese, liegt es: 1750 Quadratmeter Fläche, 54 Meter Durchmesser, gefertigt aus 600 knallig blauen Regenwasserrohren, orangen Kunststoffplanen und sechs Kilometer Seil: eines der größten mobilen Labyrinthe der Welt. „Seit Montag haben acht Leute jeden Tag 14 Stunden daran gearbeitet“, berichtet Rolf Rau, der Designer des Irrgartens. „Mittlerweile ist das Labyrinth schon eine richtige Bonner Institution.“
Es ist sogar mehr als das, nämlich Gold wert. Seit 2000, als das „Verlaufspiel“ für Kinder und Erwachsene zum ersten Mal begann, hat es den Beitreibern insgesamt 40 000 Euro eingebracht - eine schöne Spende an globale Hilfsprojekte. In diesem Jahr soll das Geld nach Südindien gehen. „Viele Kinder arbeiten dort in Fabriken, auf dem Feld oder in Steinbrüchen“, sagt Elvira Greiner von der Bonner Andheri-Hilfe. 60 Euro reichten schon aus, um Kinder aus der Arbeit in die Schule zu führen. Es zählt die Symbolik, meint Greiner: „Die Kinder in Bonn spielen im Labyrinth - und tun zugleich noch etwas Gutes für die Kinder in Indien.“ Die werden sich freuen - nun hat das Labyrinth (zunächst bis zum 30. Juni) täglich zwischen 9 und 22 Uhr geöffnet. Der Weg durchs Labyrinth zum Aussichtsturm sei für alle nicht zu schwer und nicht zu leicht, sagt Rau. Doch den Kindern fällt es leichter, weiß er: „Sie finden das Ziel schneller als Erwachsene und gehen danach nochmal und nochmal und nochmal. . .“ (pwk)

 

Fränkischer Tag , 29. Juni 2007

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Bonner General-Anzeiger, 7. Mai 2007

Aus blinden Menschen Sehende machen

Die Andheri-Hilfe mit ihrer Gründerin Rosi Gollmann feiert 40-jähriges Bestehen mit Lied-Premiere und dem Start von 400 bunten Luftballons vor dem Alten Rathaus beim Europatag

Von Michael Friedrichs

"Angefangen hat alles mit einem Zeitungsbericht über Not leidende Findelkinder in einem Heim in Andheri, einem Vorort von Mumbai in Indien", erinnerte sich Rosi Gollmann am Samstag anlässlich einer Feierstunde zum 40-jährigen Bestehen ihrer Privatinitiative, aus der im Laufe der Jahre Dank tatkräftiger und ehrenamtlicher Unterstützung eine professionelle Entwicklungshilfeorganisation geworden ist. "Das war Ende der 50er Jahre und seit dem hat mich das Thema nicht mehr losgelassen", betonte die ehemalige Berufsschullehrerin für Religion und Soziales.

Erste Hilfsprojekte für das Waisenhaus in Andheri und eine Schiffsreise nach Indien folgten kurze Zeit später. "Heute unterstützen wir rund 330 Projekte in Indien und Bangladesh", so die 80-Jährige, die seit sechs Jahren Ehrenvorsitzende der Andheri-Hilfe ist. "Rosi Gollmann hat zu einer Zeit Initiative ergriffen, als es noch nicht selbstverständlich war", lobte Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann das Lebenswerk der Bonnerin. Die Arbeit der Andheri-Hilfe sei weit über Bonn hinaus bekannt. Die Einbindung des Jubiläums in den Europatag der Stadt sei deshalb auch ein Zeichen der Wertschätzung des Vereins.

Öffentlich gefeiert wurde das Jubiläum mit einem Massenaufstieg von rund 400 bunten Luftballons vor dem Alten Rathaus und dem eigens zum 40-jährigen Bestehen der Andheri-Hilfe komponierten Lied "Hey du, komm mach doch mit". Der Sänger und Entertainer Franz Berens stellte es gemeinsam mit Schülern der Mainzer Martinus-Grundschule und der Matthias-Claudius-Grundschule aus Endenich sowie dem Kinder- und Jugendchor der Thomaskirche aus Bonn-Röttgen vor. "Mehr als eine Millionen Augenoperationen konnte die Andheri-Hilfe in Bangladesh bereits durchführen, um aus blinden Menschen Sehende zu machen", betonte die Vorsitzende Elvira Greiner.

Mehr als 200 000 Kinderarbeiter erhielten Dank der vielen Spender eine Chance auf einen Schulbesuch und eine Berufsausbildung, mehr als 300 000 Frauen konnte durch Kleinkredite der Aufbau einer Lebensgrundlage für sich und ihren Familien ermöglicht werden.

"In Indien gibt es derzeit zwar einen großen wirtschaftlichen Aufschwung", sagte Greiner. Dennoch lebten fast 300 Millionen Menschen täglich von einem Dollar oder weniger. "Gemeinsam können wir viel erreichen", so der Appell der Andheri-Helferin. Für zehn Euro könnte eine Familie einen Küchengarten anlegen und nur 40 Euro koste eine lichtbringende Augenoperation


Bonner General-Anzeiger, 26. Februar 2007

Stehende Ovationen für Gründerin der Andheri-Hilfe

Vor 40 Jahren begann die Geschichte der Hilfsorganisation in Bonn

Von Anja Kiessling

Bonn. Ein Rundgang durch Bangladeschs Hauptstadt Dhaka brannte sich tief in Rosi Gollmanns Gedächtnis: Im Schatten der grellbunten Märkte starrten Kinder durch trübgraue Linsen ins Leere. Blinde lagen am Straßenrand herum, "man stolperte fast über sie.

Auftaktveranstaltung Jahrespartnerschaft 2007

Ich plante, etwas zu tun", erinnert sie sich. "Was willst du mit deiner kleinen Organisation bei ein oder zwei Millionen Blinden im Land schon ausrichten", fragten die Skeptiker gleich reihenweise. "Mit dem Ersten anfangen", erwiderte Gollmann und hielt Wort: Seitdem hat die Andheri-Hilfe mehr als einer Million Blinden eine lichtspendende Augenoperation ermöglicht.

Mit stehenden Ovationen feierten am Sonntag im Alten Rathaus rund 500 Gäste, darunter Europaabgeordnete Ruth Hieronymi und Journalist Franz Alt, die Gründerin und Ehrenvorsitzende der Andheri-Hilfe Gollmann. OB Bärbel Dieckmann freute sich bei der Auftaktveranstaltung zur Jahrespartnerschaft mit der Andheri-Hilfe, "diesmal eine Ur-Bonner Organisation zu unterstützen".

In einer Mietwohnung im Bonner Norden trafen sich vor genau 40 Jahren die Religionslehrerin Gollmann und ihre Weggefährten zur Gründung des gemeinnützigen Vereins. Aus der Privatinitiative erwuchs eine professionelle Hilfsorganisation: Heute fördert die Andheri-Hilfe in enger Zusammenarbeit mit lokalen Partnern 300 Projekte in Indiens und Bangladeschs Armutsgebieten.

"Sieben Ziele für 2007" prägen die Jahrespartnerschaft der Stadt Bonn mit der Andheri-Hilfe unter dem Motto "Gemeinsam für mehr Menschlichkeit". Das reich bebilderte Programm illustriert, was überschaubare Spenden bewirken: So kostet die Augenoperation für Blinde 40 Euro. Mit nicht viel größeren Beträgen kann man Straßenkindern den Schulbesuch ermöglichen, Dorffamilien zu Solarlampen verhelfen, Slums mit Sanitäranlagen ausstatten.

Biogas-Anlagen kosten 240 Euro, Setzlinge zum Anbau eines Küchengartens zehn Euro. Mit geradem Blick hält Saluni Pradhan den Betrachtern ihres Portraits fleischigen Blumenkohl entgegen. Unterstützt von der Andheri-Hilfe, ernährt Pradhan aus dem bettelarmen Dorf Parapanka ihre Familie inzwischen durch den Gemüseverkauf selbst. Eine Spende von 100 Euro reicht zum Aufbau eines solchen Kleinunternehmens.


Bonner General-Anzeiger, 24./25. Februar 2007

Die Steinbruch-Kinder können jetzt zur Schule gehen

JAHRESPARTNERSCHAFT In Chennai ermöglicht die Andheri-Hilfe Bonn ehemaligen Kinderarbeitern eine Ausbildung. GA-Leser können die Arbeit in Indien mit ihrer Spende unterstützen

Von Bettina Köhl

BONN. Der feine Steinstaub kriecht in jede Ritze und die Maschinen machen einen Höllenlärm. "Schon nach einer Viertelstunde möchte man nur noch weg", sagt Elvira Greiner, Vorsitzende der Andheri-Hilfe Bonn. Doch die Arbeiterinnen in den Steinbrüchen von Chennai (Madras) zerkleinern dort den ganzen Tag Gesteinsbrocken zu Schotter für den Straßenbau. 80 Cent am Tag verdienen sie mit diesem Knochenjob.

Vor fünf Jahren hat Andheri-Hilfe mit indischen Partnern Projekte gestartet, um die Situation der Steinbrucharbeiter zu verbessern. Mit den Spenden von GA-Lesern will die Hilfsorganisation nun dafür sorgen, dass mehr Kindern und Frauen eine Zukunft bekommen. Die Andheri-Hilfe ist 2007 Jahrespartner der Stadt Bonn. Am Sonntag findet im Alten Rathaus die Auftaktveranstaltung statt. "Vor einigen Jahren hat man in den Steinbrüchen noch viele Kinderarbeiter gesehen", berichtet Greiner, die gerade von einer Indienreise zurückgekehrt ist. Inzwischen wird das Verbot gefährlicher Kinderarbeit eingehalten.

Doch die Menschen leben weiterhin in winzigen Baracken ohne sanitäre Einrichtungen. "Hier wird kaum jemand älter als 40 Jahre", sagt Greiner. Erste Erfolge der Arbeit werden jedoch sichtbar: Steinbruchbesitzer haben Gebäude für Kindergärten zur Verfügung gestellt, die Andheri-Hilfe sorgt für Erzieherinnen und Spielsachen. So müssen die Mütter ihre Kleinkinder nicht mehr mit in den staubigen Steinbruch nehmen.

Eine Ausbildung ist die einzige Chance, dem harten Leben am Rande des Steinbruchs zu entkommen. Die Andheri-Hilfe setzt auf Selbsthilfe und fördert diese auch beim Nachwuchs. In jeder Siedlung haben sich Kinderparlamente gegründet. Elvira Greiner traf eine "Bildungsministerin", selbst noch Schülerin, die mit Nachhilfestunden dafür sorgt, dass schwächere Schüler nicht die Schule abbrechen. Der "Gesundheitsminister" hat in seiner Gemeinde das Thema Hygiene angesprochen. Als sich nichts tat, haben die Kinder zuerst vor der Haustür des Gemeindevorstehers aufgeräumt, dem das sehr peinlich war. "Schon die Kinder lernen, wie Demokratie funktioniert", sagt Greiner.

Auch die Situation der Frauen, die in den Steinbrüchen die schwerste Arbeit machen, verändert sich langsam. Sie sparen kleine Beträge, um in der Regenzeit ohne Arbeit nicht in die Hände der Geldverleiher zu fallen.

Damit die Projekte an den Steinbrüchen von Chennai weiter laufen können, ist die Andheri-Hilfe auf Spenden angewiesen. 17 Euro kostet das Spiel- und Lernmaterial für ein Kinderzentrum, eine Frauengruppe bekommt 52 Euro Zuschuss.

Die Andheri-Hilfe Bonn hat für die Spenden der GA-Leser ein Sonderkonto eingerichtet mit der Nummer 19 00 75 11 30 bei der Sparkasse KölnBonn, BLZ 370 501 98.

Bonner General-Anzeiger, 19. Januar 2007

Die andere Seite von Bollywood und Wirtschaftsboom

JAHRESPARTNERSCHAFT Die Andheri-Hilfe Bonn kümmert sich um Bedürftige in Indien und Bangladesch. Anfangs ging es um die tägliche Hand voll Reis, heute um Ausbildung, Arbeit, Wohnen und Blindenheilung
Von Bettina Köhl

Bonn. Die Bonner Andheri-Hilfe hat mehr als 100 000 Kinderarbeiter befreit, mehr als 200 000 Bäume gepflanzt, mehr als 500 000 Frauen ein Leben in Würde ermöglicht und mehr als eine Million Augenoperationen durchgeführt. Eine stolze Bilanz, doch lange nicht genug. Die Andheri-Hilfe ist Jahrespartner der Stadt Bonn und hat unter dem Motto "Gemeinsam für mehr Menschlichkeit" sieben Ziele für 2007 ausgerufen. Mit Unterstützung der Bonner will die Hilfsorganisation mehr Blinde in Bangladesch heilen, mehr Straßenkindern und Kinderarbeitern eine Berufsausbildung ermöglichen, mehr armen Familien eine Solarlampe zur Verfügung stellen, mehr Menschen beim Bau von eigenen Toiletten unterstützen, mehr Frauen Zugang zu Kleinkrediten ermöglichen, mehr Kleinbauern beim Bau einer Biogas-Anlage unterstützen und durch mehr Küchengärten die Ernährung von Kindern verbessern.

Vor 40 Jahren gründete die Bonnerin Rosi Gollmann die Andheri-Hilfe. Ein Zeitungsartikel hatte die Religionslehrerin auf die unbeschreibliche Not indischer Findelkinder in einem Waisenhaus in Andheri bei Bombay aufmerksam gemacht. Ihre erste Indienreise 1961 gab dem Leben der ohnehin sozial engagierten Frau eine Wende. Als sie 1967 die Hilfsorganisation gründete, ging es um die tägliche Hand voll Reis für die 800 Kinder des Waisenhauses. Inzwischen fördert die Andheri-Hilfe Bonn rund 400 Projekte in Indien und Bangladesch. Gerade war die heute 79-jährige Rosi Gollmann wieder in Indien, um zwei Jahre nach dem Tsunami ein neues Dorf einzuweihen. "Viele Menschen sind immer noch traumatisiert", berichtet sie. Ein jahrtausendealtes, tief verwurzeltes System erschwert im überwiegend hinduistischen Indien die Arbeit der Andheri-Hilfe. Sie kümmert sich vor allem um Kinder, Frauen, Unberührbare, Ureinwohner, Behinderte und Leprakranke - um alle die, die weder am Glamour von Bollywood noch am Wirtschaftsboom teilhaben.

Kinder sind unsere Zukunft
Eine Zukunft für Kinder: Viele Projekte der Bonner Andheri-Hilfe setzen bei den Jüngsten an


Für das Partnerschaftsjahr sind zahlreiche Veranstaltungen geplant. Am 25. Februar findet der offizielle Auftakt im Alten Rathaus statt. Am Gründungstag, dem 5. Mai, gibt es ein Konzert im Kammermusiksaal des Beethoven-Hauses. Am 9. Juni, dem 80. Geburtstag von Rosi Gollmann, feiert die Andheri-Hilfe ein Sommerfest. Eines hat sich in 40 Jahren nicht geändert: Wie in den Anfängen, als Rosi Gollmann die Spendeneingänge noch per Hand auf Karteikarten vermerkte, haben weder Spender noch Hilfeempfänger Nummern, sondern Namen.

Die Andheri-Hilfe hat für die Spenden von GA-Lesern ein Sonderkonto mit der Nummer 19 00 75 11 30, bei der Sparkasse Köln Bonn, Bankleitzahl 370 501 98, eingerichtet. Infos zu den Projekten im Internet unter www.andheri-hilfe.org.

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