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Anands Geschichte

Niemals konnte ich mir vorstellen, was ich heute bin. Ich arbeite jetzt in einem Geschäft, das Zement verkauft. indem ich die Säcke zu den Kunden auf meinem eigenen Dreirad-Fahrrad transportiere, das ich vor einem Jahr mit Hilfe des Projektes und eigenen Ersparnissen kaufte. Nicht jeden Tag kann ich Zementsäcke transportieren. Dann verdiene ich Geld beim Ent- und Beladen der Zementlaster. Gewöhnlich verdiene ich zwischen 500 und 600 Rupies (7,50 - 9 Euro) pro Woche.

Vor etwa 8 Jahren sprach mich ein Mitarbeiter des Straßenkinderprojektes Trichy, das von der Andheri Hilfe Bonn unterstützt wird, am Busbahnhof an. Zuerst weigerte ich mich mitzukommen. Doch er kam immer wieder zum Bahnsteig des Busbahnhofes, wo ich schlief, und zwang mich dadurch ihm zuzuhören. Schließlich nahm er mich mit zu einem kleinen Zentrum, in dem ich andere Jungen traf. Ich blieb dort fast 3 Monate, sah fern, spielte Carom mit den Anderen und hatte Spaß beim Kämpfen. So wurde Shiva mein bester Freund im Zentrum. Wenn ich entspannt war, versuchten die Mitarbeiter des Zentrum freundlich über meine Zukunftspläne zu sprechen. Doch ich wich ihnen immer aus.

Meinen Vater kenne ich nicht. Ich lief von zu Hause weg, da meine Mutter sehr schroff zu mir war und mich schlug. Bis heute kenne ich den Grund nicht. Mit neun Jahren lief ich von zu Hause weg nach Chennai, trieb mich dort herum und wurde von der Polizei aufgegriffen. Ich landete im Jugendgefängnis, wo es mich sehr schlecht ging, da ich von den Polizisten geschlagen und missbraucht wurde. Nach der Rückkehr nach Hause riss ich wieder aus nach Chennai und landete wieder im Gefängnis. Als ich hörte, dass meine Mutter gestorben sei, kehrte ich in unser Dorf zurück und fand das Grab meiner Mutter mit Gras überwuchert. Ich habe einen jüngeren Bruder, von dem ich nicht weiß, wo er sich aufhält. Ich habe auch keine Hoffnung, ihn jemals wiederzusehen. Mein Leben in Chennai war sehr hart, deshalb kehrte ich nach Trichy zurück.

Nun bin ich 18 oder 19 Jahre alt. Genau weiß ich das nicht. Nachdem die Mitarbeiter des Straßenkinderprojektes Trichy vergeblich nach meinen Familienangehörigen gesucht hatten, motivierten sie mich dazu, für mein eigenes Leben zu sorgen und Verantwortung zu übernehmen. Andere Jungs im Zentrum konnten verschiedene Arbeitsmöglichkeiten finden, einige studierten, einige erhielten handwerkliche Ausbildungen und können so ihren Lebensunterhalt verdienen. Abends kommen sie ins Zentrum, um dort zu schlafen, zu spielen, zu waschen etc. Irgendwie bekam ich Selbstvertrauen und half einigen Jungs beim Lumpensammeln. Ich hasste das Lumpensammeln, denn es stank sehr. Die Mitarbeiter des Zentrums vermittelten mir dann eine Putzstelle in einem nahe gelegenen Restaurant. Fünf Jahre lang arbeitete ich so in verschiedenen Restaurants. So erfuhr ich, was es bedeutet hart zu arbeiten und sein Leben zu meistern.

Vor zwei Jahren kaufte ich vom ersparten Geld ein gebrauchtes Dreirad-Fahrrad. Da ich es nirgends sicher parken konnte, wurde es gestohlen. Vor einem Jahr kaufte ich das Zweite. Ich habe nun 7.000 Rupies (105 Euro) Ersparnisse. Nach der Arbeit gehe ich jeden Abend ins Zentrum. Das ist mein Zuhause und die Jungs sind meine Familie. Ich denke aber nicht nur an mich. Letzten Monat sah ich zwei Jungs, die am Busbahnhof von Trichy herumlungerten. Den 15-jährigen Venkatesh nahm ich mit ins Zentrum, seine Familie wurde informiert und jetzt lebt er wieder bei seiner Familie in Tirunelveli. Den 17 jährigen Satish versorgt ich mit Essen und vermittelte ihm eine Putzstelle in einem Restaurant. Er verdient pro Tag 60 Rupies (0.90 Euro). Gelegentlich treffen wir uns.

Vom Büro der Andheri Hilfe in Trichy erfuhr ich, dass Malte Beyer auf seiner Fahrradtour zum Nordkap Geld für das Straßenkinderprojekt in Trichy sammelt, und sah auch Fotos seiner Homepage. Tränen der Freude und Dankbarkeit ersetzen meine Worte.

Vielen Dank, Malte Beyer. Ich wünsche dir alles Gute. Mit meinen Freunden im Zentrum bin ich dankbar für dein humanitäres Verhalten für die Jungs wie mich in Trichy.

Anand

Straßenkinder Projekt "Sontham" Trichy

 

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