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Lagebericht für das Geschäftsjahr 2007

1. Darstellung des Geschäftsverlaufs

1.1. Branchenentwicklung

Im Jahr 2007 wurde der UN-Halbzeitreport zur Umsetzung der Millenniumsziele veröffentlicht. Er zeichnet ein gemischtes Bild des bisher Erreichten und benennt neben den Erfolgen auch die Notwendigkeit, dass mehr Anstrengungen unternommen und bereits zugesagte Finanzmittel auch bereit gestellt werden müssen, damit die Millenniums-Entwicklungsziele bis zum Jahr 2015 erreicht werden können.

Staatliche und multinationale Projekte und Programme allein werden die großen Aufgaben der Armutsbekämpfung jedoch in keinem Falle allein lösen können. Die Arbeit der Nichtregierungsorganisationen, die eine sehr viel direktere Verbindung zu den Menschen in Not haben, wird auch in Zukunft eine wichtige Ergänzung zum Engagement der übrigen Verantwortlichen spielen.

Dazu sind Nichtregierungsorganisationen wie die Andheri-Hilfe vor allem auf Spendengelder angewiesen. Eine Studie zum Spendenaufkommen in Deutschland, die im Auftrag des deutschen Spendenrats erstellt wurde, kommt für das erste Halbjahr 2007 zu dem Ergebnis, dass das Geldspendenvolumen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 9% gestiegen ist. Diese Steigerung ist sicherlich dem sehr niedrigen Niveau des Jahres 2006 zu verdanken, das als das Jahr nach dem Tsunami einen Spendenrückgang zu verzeichnen hatte. Trotz dieser positiven Gesamtentwicklung wird es auf dem deutschen Spendenmarkt es für die Andheri-Hilfe Bonn e.V. immer schwieriger, Spenden für Projekte in Indien einzuwerben, da Indien als aufstrebende Wirtschaftsmacht gesehen wird, die ausreichend eigenes Potenzial zur Armutsbekämpfung hat. Gleichzeitig wächst der Konkurrenzdruck auf dem deutschen Spendenmarkt. Einerseits versuchen in den letzten Jahren internationale Organisationen durch die Gründung von Schwesterorganisationen in Deutschland, Marktanteile am deutschen Spendenmarkt zu erobern, andererseits werben auf lokaler Ebene immer mehr Vereine und Fördergruppen für Spenden (Kindergärten, Schulen, Fördervereine etc.).


1.2. Entwicklung in den Projektländern der Andheri-Hilfe, Indien und Bangladesch

Obwohl das Wachstum der Wirtschaft in Indien mit 7-8% eine sehr hohe Dynamik erreicht hat, hat bislang vor allem die Mittelklasse von diesem Wirtschaftsboom profitiert. Der ländliche Sektor und vor allem die Landwirtschaft, von der fast 70% der indischen Bevölkerung abhängen, bleibt von diesem Wachstum nahezu unberührt. Ansteigende Inflationsraten, hohe Energiepreise und teurere Agrarprodukte treffen vor allem die Armen, die über keine Reserven oder Alternativen verfügen.

So zeigt die Entwicklung in Indien, dass die Zielgruppe der Andheri-Hilfe, nämlich die Armen, eher wächst als abnimmt.

Dies ist leider auch für Bangladesch festzustellen: Das Land leidet einerseits unter immer wiederkehrenden Naturkatastrophen (z.B. Wirbelsturm "SIDR" im November 2007), andererseits unter der großen politischen Unsicherheit. Die derzeitige "Übergangsregierung" hat erst für Ende 2008 Neuwahlen in Sicht ausgestellt.

 

1.3. Geschäftsergebnis

Die Gewinn- und Verlustrechnung für das Geschäftsjahr 2007 weist einen Jahresfehlbetrag in Höhe von 48.818,96 € (Vorjahr: Gewinn in Höhe von 426.345,60 €) aus. Das Ergebnis setzt sich wie folgt zusammen:

 
31.12.2007
31.12.2006
Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit
-48718,84
426.480,60
Außerordentliches Ergebnis
34,88
0,00
Sonstige Steuern
-135,00
-135,00
Jahresüberschuss/-fehlbetrag
-48.818,96
426.345,60

Außerdem wurde der Betrag von insgesamt 130.000 Euro aus Erträgen des Jahres 2006 als Rücklage in die Bilanz eingestellt. Für den Aufbau dieser Rücklage im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten hat sich der Vorstand entschieden, damit die Arbeit der Geschäftsstelle auch bei ungewissem Spendenfluss sichergestellt werden kann.

Die nachfolgende Darstellung des Jahresabschlusses 2007 folgt den Empfehlungen des Deutschen Zentralinstitutes für soziale Fragen (DZI) in Berlin zur Finanzberichterstattung in Jahresberichten.

Das DZI, das das Spendensiegel vergibt, ermittelt den Anteil der Werbe- und Verwaltungsausgaben an den Gesamtausgaben als einen Indikator für die Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit einer Spenden sammelnden Organisation. Mit 6,99% Werbe- und Verwaltungsausgaben ist der Anteil an den Gesamtausgaben der Andheri-Hilfe Bonn e.V. laut DZI als niedrig einzustufen (unter 10% "niedrig", 10% bis unter 20% "angemessen", 20% bis unter 35% "vertretbar" - nähere Infos: www.DZI.de).

 

1.4. Spenden und andere Erträge

Erträge
2007 in Euro
2006 in Euro
Geldspenden
3.133.645,19
2.741.910,62
Sachspenden
2.893,30
5.258,44
Leistungsentgelte (Ergebnis wirtschaftl. Geschäftsbetrieb)
571,68
-516,33
Erbschaften, Nachlässe etc.
619.689,52
260.771,00
Bußgelder
3.200,00
1.000,00
Zuwendungen und Zuschüsse
989.077,37
1.767.314,82
Zins- und Vermögensergebnis
209.566,03
162.983,26
Übrige Erträge
38.666,08
2.531,28
Summe:
4.997.309,17
4.941.253,09

 

Aufwendungen
2007 in Euro
2006 in Euro
Projektförderung
4.363.958,86
3.897.484,22
Projektbegleitung
258.314,33
217.852,13
Satzungsgemäße Kampagnen-, Bildungs- und Aufklärungsarbeit
71.100,70
64.197,19
Werbung und allgemeine Öffentlichkeitsarbeit
97.480,14
71.685,67
Verwaltung
255.274,11
263.688,28
Summe:
5.046.128,13
4.514.907,49
Gewinn/ Verlust
-48.818,96
426.345,60

Das 40-jährige Jubiläum brachte mit seiner öffentlichkeitswirksamen Berichterstattung einen erfreulichen Anstieg der "Geldspenden" um knapp 392 TEUR gegenüber dem Vorjahr.

Ebenso war in 2007 im Bereich "Erbschaften, Nachlässe etc." eine Steigerung von fast 359 TEUR zu verzeichnen (8 Erbfälle im Jahr 2007 im Gegensatz zu 5 im Vorjahr. Andheri-Hilfe erhielt in 2007 631.600 Euro im Vergleich zu 260.771 Euro im Vorjahr). Die "Sachspenden" fielen geringer aus, während die "Bußgelder" anstiegen.

Unter der Position "Leistungsentgelte" ist das Ergebnis des so genannten "wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs" (in 2007 v. a. Erbringung von Dienstleistungen gegen Honorar; in 2006 Verkauf von Kalender, Karten und Waren) ausgewiesen. Dieser wirtschaftliche Geschäftsbetrieb war zum 31.12.2006 an die Medienproduktions- und Vertriebsgesellschaft mbH (MVG) in Aachen erfolgreich ausgelagert worden. Die Erfahrung hat im Jahr 2007 gezeigt, dass die bisherigen Kunden der Andheri-Hilfe diese Auslagerung angenommen haben und dass in der Geschäftsstelle die frei gewordene Arbeitszeit in den Kernbereichen eingesetzt werden konnte.

Im Bereich der Zuschüsse vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) wurde in 2007 mit 707.501,56 € (Vorjahr 767.647 €) ein Rückgang um rund 60.000 Euro gegenüber dem Vorjahr ausgewiesen. Das BMZ prüfte Anfang 2008 die bezuschussten Projekte. Die Prüfungsfeststellungen des BMZ wurden im Jahresabschluss berücksichtigt. Die Anzahl der Projekte, für die Zuschüsse vom BMZ gegeben wurden, reduzierte sich von 13 Projekten in 2006 auf 10 in 2007. Wenn man aus den BMZ-Zuschüssen in beiden Jahren die zweckgebundenen Zuschüsse für Tsunami-Projekte herausrechnet, so stiegen die Zuschüsse im Jahr 2007 um mehr als 50 Tausend Euro gegenüber dem Vorjahr.

Angesichts der gestiegenen bürokratischen Erfordernisse an die Beantragung und Durchführung von Projekten entschieden wir uns, bis auf Weiteres keine Zuschuss-Anträge bei der Kommission der Europäischen Gemeinschaft zu stellen. Im Vorjahr hatten wir einen Zuschuss in Höhe von 511.147,50 Euro für ein vierjähriges Projekt erhalten.

Die Zuschüsse von Nichtregierungsorganisationen fielen von 464.079,02 Euro in 2006 auf 281.575,81 Euro in 2007. Hervorzuheben ist auch hier, dass es in 2006 Zuschüsse in Höhe von 285 Tausend Euro für Tsunami-Projekte gab.

Das Zins- und Vermögensergebnis (bereinigt um entsprechende Aufwendungen) hat sich gegenüber dem Vorjahr um 46 TEUR auf 209 TEUR verbessert. Grund war das höhere Zinsniveau im Jahr 2007.

 

1.5. Projektförderung und Projektbegleitung

Die Menschen in Not stehen im Mittelpunkt unserer Aktivitäten. Schwerpunkte der Arbeit waren auch in 2007:

  • Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Ärmsten. Sie müssen die Möglichkeit haben, ihren eigenen Lebensunterhalt zu erarbeiten.
  • Engagement im Kampf gegen "soziale Not", wenn es etwa um Kinderheirat oder Mitgiftpraxis, um Unterdrückung der Frauen oder Diskriminierung von Kastenlosen geht.
  • Menschenrechtsfragen spielen eine immer stärkere Rolle, wenn z.B. Ureinwohner von ihrem Land vertrieben oder Hausangestellten ihre Grundrechte vorenthalten werden.
  • Der Schutz und die Regenerierung der natürlichen Ressourcen spielen eine ganz wesentliche Rolle, wollen wir Lebenschancen für gegenwärtige und zukünftige Generationen erhalten.
  • Menschen mit Behinderungen, insbesondere Blinde, werden in unseren Projekten einerseits medizinisch und therapeutisch gefördert, gleichzeitig geht es um ihre soziale Integration.

Im Jahr 2007 konnten 92 Projektverträge finanziell abgeschlossen werden. Die Andheri-Hilfe hatte in diesen Verträgen alle finanziellen Verpflichtungen erfüllt. Nach dem finanziellen Abschluss eines Projektvertrages läuft die Projektbegleitung weiter. So folgen in der Regel Gesamtabrechnung mit Berichterstattung und Abschlussprüfung des Projektes. Eine Beurteilung/Evaluierung eines Projektes ist Grundlage für die Finanzierung weiterer Phasen eines Projektes oder für die Übergabe des Projektes in die Hände der Menschen vor Ort.

Der finanzielle Abschluss dieser Projektverträge ließ es zu, dass wir neu eingegangene Spenden für neue Projekte einsetzen konnten. In 2007 wurden 239 Neuanträge - dazu eine Vielzahl von Verlängerungs-/Erweiterungsanträgen - intensiv geprüft. 92 neue Projektverträge wurden abgeschlossen, teils für ganz neue Projekte, teils für Verlängerungen oder Ausdehnungen bereits geförderter Projekte (75 Indien, 17 Bangladesch).

Hervorheben möchten wir das "Jubiläumsprojekt 2007": Für das Jahr 2007 hatten wir uns "7 Ziele" gesetzt. Mit Sonderspenden in Höhe von 150.000 Euro konnten wir zusätzliche Biogas-Anlagen und Toiletten bauen, Solarlampen finanzieren, ehemaligen Kinderarbeitern eine Berufsausbildung ermöglichen, Augenoperationen finanzieren, Frauen einen Kleinkredit für ein Einkommensprojekt gewähren und die Anlage von mehr als 1.000 Küchengärten bezuschussen.

Für die Überlebenden des Wirbelsturm "SIDR" in Bangladesch im November 2007 bewilligten wir Anfang 2008 insgesamt 120.000 Euro. Damit konnten wir 2.327 Familien eine Starthilfe für den Wiederaufbau ihrer wirtschaftlichen Lebensgrundlage geben.

Derzeit fördern wir mehr als 200 Projekte in Indien und Bangladesch (23 davon in Bangladesch, darunter das landesweite Programm "Blindheit und ihre Folgen bekämpfen").

Bei all diesen Aufgaben spielen unsere Koordinatoren vor Ort - der Andheri Trust in Indien und die Caritas in Bangladesh - eine herausragende Rolle. Deren einheimische MitarbeiterInnen besuchen Antragsteller und Partner, überwachen den korrekten Einsatz der Mittel, planen mit den Partnern für die Zukunft, organisieren Workshops und Seminare. Berichte dieser Besuche und Beurteilungen der Projektberichte und Abrechnungen sind für die Andheri-Hilfe wichtige Elemente bei der Projektsteuerung. Regelmäßig überzeugen sich die Verantwortlichen der Andheri-Hilfe Bonn durch Projektbesuche vor Ort von der sachgemäßen Verwendung der Spenden und Zuschüsse und von der korrekten Projektdurchführung.

Es konnten für die Projektförderung 4,36 Mio. Euro zur Verfügung gestellt werden, dies sind 0,46 Mio. Euro mehr als im Vorjahr. Enthalten sind hierin Einsparungen (434,7 TEUR in 2007 und 419,4 TEUR in 2006) bei den Projekten, die vor allem aus nicht genutzten Reserven für Wechselkursschwankungen resultieren.

1.6. Kampagnen-, Bildungs- und Aufklärungsarbeit

Das Jahr 2007 stand ganz im Zeichen unseres Jubiläums: "40 Jahre Andheri-Hilfe" und der Jahrespartnerschaft mit der Stadt Bonn. Auftaktveranstaltung und Abschlussfeier im Alten Rathaus, eine Fachtagung, eine Fotoausstellung, Benefizkonzerte und Geburtstagsfeiern zugunsten der Andheri-Hilfe boten vielfältige Gelegenheiten, auf die Situation der Menschen in unseren Projektländern und auf unsere Arbeit aufmerksam zu machen.

Das Medieninteresse an der Andheri-Hilfe war in 2007 außergewöhnlich groß. Zu Jahresbeginn wurde der neue Dokumentarfilm von Franz Alt: "Das Wachstum steigt - die Armut bleibt" gleich mehrfach ausgestrahlt. Zwei Portraitfilme über Rosi Gollmann sorgten für zusätzliche Aufmerksamkeit. Dazu kamen Radiointerviews und mehr als 100 Presseberichte.

Unsere Internet-Seite www.andheri-hilfe.de war gefragter denn je: Die Zugriffszahl stieg in 2007 auf 85.473 (bisheriger Rekord im "Nach-Tsunami-Jahr 2005": 71.908).

Großen Wert legten wir auch in 2007 auf die Kontakte mit jungen Menschen, vor allem im Rahmen von Vorträgen und Aktionen an Schulen. Nach wie vor spielen die zahlreichen von Ehrenamtlichen veranstalteten Basare eine wichtige Rolle. Über diese Basare werden viele Bürger und Bürgerinnen über die Arbeit der Andheri-Hilfe informiert und zum Engagement für unsere eine Welt motiviert.

Zeichen dieses Engagements ist auch unsere Beteiligung an der Kampagne "Deine Stimme gegen Armut" (www.deine-stimme-armut.de). Koordiniert wird die deutsche Beteiligung an dieser weltweiten Kampagne von VENRO.

Die Andheri-Hilfe ist Mitglied bei VENRO (Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen) und beim Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband.

Die Aufwendungen für die Kampagnen-, Bildungs- und Aufklärungsarbeit stiegen im Vergleich zum Vorjahr um knapp 7 TEUR auf 71 TEUR an.

 

1.7. Werbung, Spender- und Mitgliederbetreuung

Die letzte Mitgliederversammlung fand am 18.08.2007 statt. Hier wurde u. a. der Vorstand neu gewählt.

Die Zahl der Mitglieder hat sich von 647 am 1.1.2007 auf 655 am 1.1.2008 erhöht.

Für uns gilt seit Gründung der Grundsatz, dass wir keine Adressen für die Spendenwerbung kaufen und auch keine Adressen von Andheri-Spendern verkaufen. Spendenwerbung fand und findet somit vor allem durch die Medienberichterstattung statt - jedoch nie finanziert von der Andheri-Hilfe, durch die Veranstaltungen und den vierteljährlichen Versand des Andheri-FORUM an die Spenderinnen und Spender.
Darüber hinaus wurden ausgewählte Spender angeschrieben mit der Bitte um Förderung eines speziellen Projektes, u. a. nach der Wirbelsturmkatastrophe in Bangladesch.

Die kontinuierliche Verbesserung der Transparenz in allen Bereichen wurde in 2007 durch die Auszeichnung von PWC belohnt. PricewaterhouseCoopers hat 2007 zum dritten Mal in Folge deutsche Spendenorganisationen, die eine vorbildliche Berichterstattung vorweisen können, mit dem Transparenzpreis ausgezeichnet. Die Andheri-Hilfe erhielt einen Sonderpreis.

Positiv reagieren Spender und Interessenten darauf, dass das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen in Berlin der Andheri-Hilfe auch in 2007 wieder das "DZI-Spendensiegel" als "Zeichen geprüfter Seriosität und Spendenwürdigkeit" zuerkannt hat.

 

1.8. Entwicklung der Personalkosten

Der Personalaufwand ist im Vergleich zum Vorjahr um rund 6 Prozent gestiegen. Grund hierfür ist neben der allgemeinen Erhöhung der Personalkosten, dass eine Projektreferentin im Vorjahr Elternzeit in Anspruch genommen hatte und daher in 2006 die Personalkosten niedriger lagen. Zum 31.12.2007 beschäftigte die Andheri-Hilfe Bonn e.V. 7 Vollzeitkräfte und 4 Teilzeitkräfte (Vorjahr insgesamt 12 MitarbeiterInnen). Die Vergütung erfolgt in Anlehnung an BAT/TVöD und entspricht der für vergleichbare Positionen im öffentlichen Dienst.

Unterstützt werden die MitarbeiterInnen von vielen Ehrenamtlichen sowie von PraktikantInnen.

Auch die Vorstandsmitglieder sind ehrenamtlich tätig. (Anmerkung: Die 1. Vorsitzende, Elvira Greiner, ist gleichzeitig nach BAT/TVÖD bezahlte Leiterin des Bereiches Bildungs-/ Öffentlichkeitsarbeit und Projektleiterin.)

 

2. Darstellung der Lage der Andheri-Hilfe Bonn e.V.

Die geschäftlichen Aktivitäten haben sich seit dem Bilanzstichtag entsprechend den Planungen entwickelt.

2.1. Vermögenslage

Vermögen    
 
2007
2006
Aktiva
Sachanlagen
111.090,01
122.172,01
Vorräte
9.901,95
5.976,31
Forderungen
1.501.924,19
861.052,81
Finanzanlagen
4.771.491,69
3.092.035,11
Bankguthaben und Kasse
530.266,36
2.503.876,29
Rechnungsabgrenzungsposten
1.285,56
4.540,73
Summe Aktiva
6.925.959,76
6.589.653,26
Passiva
Vermögen/Kapital
1.875.277,41
2.054.096,37
Rücklagen
130.000,00
0,00
Rückstellungen
167.484,78
102.435,28
Verbindlichkeiten
4.753.197,57
4.433.085,61
Rechnungsabgrenzungsposten
0,00
36,00
Summe Passiva
6.925.959,76
6.589.653,26

Das Anlagevermögen in Höhe von 102 TEUR (1,49% der Bilanzsumme) bildet zusammen mit dem Umlaufvermögen in Höhe von 6.821 TEUR (98,49% der Bilanzsumme) und den Rechnungsabgrenzungsposten in Höhe von 1 TEUR (0,02% der Bilanzsumme) das Vermögen. Beim Anlagevermögen ergaben sich kaum Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr. Im Bereich des Umlaufvermögens haben sich die Forderungen auf 1.363 TEUR (Vorjahr 729 TEUR) erhöht, weil zum Bilanzstichtag Mittel (über 0,7 Mio. €) des BMZ aus dem Haushaltsjahr 2007 noch nicht auf den Konten der Andheri-Hilfe Bonn e.V. gut geschrieben waren. Finanzanlagen und Bankguthaben/Kasse haben sich in der Summe leicht auf 5,3 Mio. € (Vorjahr knapp 5,6 Mio. €) reduziert.

Das Eigenkapital des Vereins setzt sich aus 2.054 TEUR Vereinskapital und 130 TEUR Rücklagen zusammen. Im Geschäftsjahr 2007 wurden aus Erträgen des Jahres 2006 im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten 130 TEUR in die Rücklage eingestellt.

Bei den Verbindlichkeiten in Höhe von 4.753 TEUR handelt es sich im Wesentlichen um Projektbewilligungen (4.685,8 TEUR), die für zukünftige Jahre eingegangen wurden. Diesen Verbindlichkeiten stehen entsprechende Vermögensposten gegenüber. So rechnen wir damit, auch künftig alle unsere finanziellen Verpflichtungen pünktlich erfüllen zu können. Hierbei ist anzumerken, dass sich aus den oben genannten Verbindlichkeiten 1,385 Mio. € auf Projekte beziehen, die vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung kofinanziert werden und für die das Ministerium Mittel in Höhe von 1,002 Mio. € für die Folgejahre zugesagt hat. Diese Zusagen sind allerdings nicht als Forderungen in der Bilanz ausgewiesen, da sie dem Haushaltsvorbehalt des Bundes unterstehen. So ist sichergestellt, dass diese mehrjährigen Projekte auch bei einem Ausfall der Bundesmittel durchgeführt werden können.

Sicherungsgeschäfte für Währungsrisiken wurden und werden von der Andheri-Hilfe Bonn e.V. nicht abgeschlossen.

Die getätigten Geldanlagen sind konservativ. Grundsätzlich wird nur in mündelsichere Wertpapiere mit gesicherter Rendite investiert.

 

2.2. Ertragslage

Den gesamten Erträgen in Höhe von 4,99 Mio. € stehen Aufwendungen in Höhe von 5,04 Mio. € gegenüber, so dass sich ein Jahresfehlbetrag von 48.818,96 € ergibt. Dieser Verlust konnte aus Mehreinnahmen der Vorjahre abgedeckt werden. Zur Entwicklung der einzelnen Ertragsarten siehe Punkt 1.4.

Entsprechend dem vom DZI vorgegebenen Schema zum Ausweis der Werbe- und Verwaltungskosten, belaufen sich diese Kosten im Geschäftsjahr auf 6,99% (Vorjahr 7,43%) und liegen damit nach DZI-Maßstab in der Kategorie "niedrig".

Die Aufwendungen für die Projektförderung sind im Vergleich zum Vorjahr um knapp 12% gestiegen, die Aufwendungen für die satzungsgemäße Kampagnen-, Bildungs- und Aufklärungsarbeit um 10,7%. Die Ausgaben für Werbung und allgemeine Öffentlichkeitsarbeit sind um knapp 26 TEUR höher ausgefallen als im Vorjahr, vor allem bedingt durch die zahlreichen Aktivitäten im Zusammenhang mit dem 40-jährigen Jubiläum. Die Kosten für Verwaltung waren hingegen leicht rückläufig.

 

2.3. Finanzlage

Wenn man die Gesamtverbindlichkeiten in Höhe von 4,753 Mio. € den kurzfristig realisierbaren Mitteln (Forderungen + Finanzanlagen + Bankguthaben/Kasse) in Höhe von 6,821 Mio. € gegenüber stellt, so wird deutlich, dass die Liquidität der Andheri-Hilfe Bonn e.V. gewährleistet ist. Zum 31.12.2007 beläuft sich die Kapitalrücklage nun auf mehr als 2 Mio. Euro. Diese Mittel erlauben es uns, konkrete Projektzusagen zu treffen, auch wenn noch keine Spendenmittel in der entsprechenden Höhe eingegangen sind.

Von Anfang Januar bis Ende April 2008 wurden bereits mehr als 1,26 Mio. € durch Projektbewilligungen vertraglich gebunden

 

3. Vorgänge von besonderer Bedeutung nach Schluss des Geschäftsjahres und Risikomanagement

3.1. Es traten nach dem Schluss des Geschäftsjahres keine Vorgänge von besonderer Bedeutung auf, über die zu berichten wäre.

3.2. System und Methoden des Risikomanagements

Die Andheri-Hilfe Bonn e.V. hat in den vergangenen Jahren die Entwicklung eines Risikomanagementsystems vorangetrieben. Dieses wird kontinuierlich verbessert und vervollständigt.

Wichtige Bausteine des Systems sind:

  • Arbeitsanweisungen und Regelungen, die die Qualität und Transparenz bei einzelnen Arbeitsabläufen sicherstellen.
  • Geschäftsordnungen, die die Aufgaben und Kompetenzen des Aufsichtsrates, des Gesamtvorstands, der Vorsitzenden und des Geschäftsführers regeln.
  • Berichtswesen, das die Geschäftsführung und den Vorstand zeitnah über aktuelle Entwicklungen informiert.
  • Entwicklung eines Qualitätsmanagementsystems zur Sicherstellung der Qualität bei Auswahl und Begleitung von Projekten und Projektträgern in Indien und Bangladesch. Es leistet einen wichtigen Beitrag dazu, dass die unterstützten Projekte die Situation der einzelnen Zielgruppen (vor allem Frauen und Kinder) nachhaltig verbessern und dass die Projektmittel effizient, sparsam und effektiv verwendet werden. Wichtige Elemente dieser Projekt- und Partnerbegleitung sind: Schriftliche Projektanträge, Projektverträge, qualifizierte Beurteilungen der Projektanträge und Projektpartner durch die MitarbeiterInnen des Andheri Trust in Indien oder Caritas Bangladesh, Empfangsbestätigung des Geldempfangs, Fortschrittsberichte, Projektbesuche vor Ort, Evaluierungen, Weiterbildung der Projektträger zu relevanten Themen und jährliche Berichte und testierte Jahresabrechnungen für alle Projekte und Projektträger.


4. Voraussichtliche Entwicklung der Andheri-Hilfe Bonn e.V. und Risiken der künftigen Entwicklung

Wir können bis dato einen Rückgang der Spendeneinnahmen (in den ersten 3 Monaten 42 TEUR) im Vergleich zum Jahr 2007 verzeichnen.

Wir rechnen damit, dass wir auf Jahressicht zwar unter dem Spendenniveau von 2007 bleiben werden, aber die Spendeneinnahmen des Jahres 2006 übertreffen können.

In 2008 findet ein intensiver Diskussionsprozess zur "Strategie der Andheri-Hilfe 2020" statt und zwar auf unterschiedlichen Ebenen: von den Partnern in Bangladesch und Indien über Andheri Trust und Caritas Bangladesch bis zu Mitarbeitern und Vorstand der Andheri-Hilfe Bonn - teilweise unterstützt von externen Fachkräften. Auch den Mitgliedern soll Gelegenheit gegeben werden, sich an diesem Prozess zu beteiligen. Die konkrete Formulierung der Strategie wird daher voraussichtlich in 2009 erfolgen.

Eines der Themen wird die regionale Ausdehnung der Andheri-Hilfe sein. Tatsache ist, dass es auf dem deutschen Spendenmarkt immer schwieriger wird, Spenden für Projekte in Indien einzuwerben, legt das in den Medien vielfach verbreitete (und von der indischen Regierung und Wirtschaft genährte) Bild der aufstrebenden Wirtschaftsmacht nahe, dass Indien unserer Unterstützung nicht mehr bedarf. Zwar bemühen wir uns um die Vermittlung eines differenzierten Indienbildes. Gleichzeitig können wir aber nicht leugnen, dass die Zahl der finanziell besser gestellten Inder kontinuierlich wächst. Wir sind daher im intensiven Dialog mit dem Andheri Trust und unseren Partnern, dass sie alle sich verstärkt um Spendeneinnahmen im eigenen Land bemühen müssen. Nichts desto trotz ist die Zahl der Armen so riesig, dass hier noch sehr viel zu tun bleibt. Wir wollen hier an dieser Stelle dem Diskussionsprozess "Andheri-Hilfe 2020" nicht vorgreifen.

Parallel wird in 2008 die Zusammenarbeit mit dem Andheri Trust weiter gestärkt: In intensiven Diskussionen mit den Vorständen von Andheri-Hilfe und Andheri Trust wurde entschieden, mehr Verantwortung für Durchführung ausgewählter Projekte in die Hände des Trust zu legen. So wurde 2008 erstmals ein "Partnerschafts-Fonds" bewilligt. Kriterien für die Bewilligung von Projekten aus dem Fonds, die Überwachung und Kontrolle der Projektumsetzung und die Evaluierung des Fonds sind von der Andheri-Hilfe Bonn in Absprache mit dem Andheri Trust festgelegt worden.

Auch im Jahre 2008 werden wir den überwiegenden Anteil unserer Erträge für die Projektarbeit aufwenden. Im Bereich der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit streben wir an, die im Rahmen der Feierlichkeiten zum 40-jährigen Bestehen der Andheri-Hilfe Bonn etablierten Medienkontakte und Beziehungen zu Spendern und Schulen zu festigen und auszubauen. Die Investitionen konzentrieren auf Anschaffung und Entwicklung von Software und Ersatzbeschaffung von Hardware.

 

5. Sonstige Angaben

- keine -

Bonn, den 23.04.2008

 

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