Projektbeispiel: Kinder und JugendlicheKarnataka/Indien: Kampf gegen Kinderarbeit durch Dorfentwicklung
Kinderarbeit ist im südindischen Bundesstaat Karnataka heute immer noch weit verbreitet. Armutsbedingt sind viele Familien, insbesondere der Kastenlosen und Angehörige unterer Kasten, auf ein zusätzliches Einkommen ihrer Kinder angewiesen. Der Distrikt Shimoga ist eine besonders benachteiligte Region. Durch zunehmende Dürre sind die Erträge in der Landwirtschaft nur sehr gering. Die Löhne der Landarbeiter reichen kaum zum Überleben der Familien. Die Kinder müssen somit häufig zum Lebensunterhalt beitragen und können die Schule nicht besuchen oder brechen die Schulausbildung vorzeitig ab.
Unsere Partnerorganisation Shimoga Social Service Society arbeitet schon seit mehreren Jahren in der Region. 2000 begann unser Partner hier Frauengruppen aufzubauen. Heute führt er mit unserer Unterstützung zwei Projekte in insgesamt 125 Dörfern durch. Mehr als 2500 Frauen haben sich bereits zu Selbsthilfegruppen zusammengeschlossen. Die Frauen treffen sich regelmäßig in ihren Gruppen, diskutieren über die aktuellen Probleme und versuchen, eigene Lösungsansätze zu finden. Kinderarbeit und Schulbildung waren von Beginn an ein wichtiges Thema. Den Frauen ist heute bewusst, dass es besonders für sehr arme Familien wichtig ist, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Denn nur auf diese Weise können sie ihnen eine bessere Zukunft ermöglichen, und der Teufelskreislauf der Armut kann überwunden werden. In Eigeninitiative organisieren sie mit Hilfe einiger gebildeter Frauen in ihren Dörfern Nachhilfeunterricht am Abend für arbeitende Kinder, die die Schule abgebrochen haben. Da viele der Frauen Analphabetinnen sind, nehmen auch sie am Unterricht teil. Ein Großteil der Schulabbrecher konnte heute schon wieder in den regulären Schulunterricht integriert werden, bzw. einige der älteren Kinder beginnen jetzt eine Berufsausbildung. Ganz extrem arme Familien werden durch die Gruppenmitglieder und andere Dorfbewohner in der Anschaffung von Schulkleidung und Schulmaterialien unterstützt. Eine weitere wichtige Komponente des Projektes ist die Verbesserung der ökonomischen Situation der Familien. Die Frauen sparen regelmäßig kleine Beträge und legen diese in ihren Gruppen gemeinsam an. Dieser Fonds steht den Frauen für die Aufnahme von Kleinkrediten zur Verfügung. Nach Rückzahlung der Kredite können weitere Frauen einen Kredit aus diesem Fonds aufnehmen. Es werden kleine Anschaffungen getätigt, damit sich die Frauen ein eigenes Einkommen erwirtschaften können, wie z.B. der Kauf einer Nähmaschine, den Aufbau eines kleinen Verkaufsshops oder die Anschaffung einer Milchkuh. Auch setzen sich die Frauen in den Dorfversammlungen und den Gemeinderäten - einige der Frauen wurden als Vertreterinnen in die Gemeinderäte gewählt - für eine Verbesserung des Schulsystems und des Unterrichts ein. Fehlende Toiletten sind z.B. immer ein großes Problem. Mädchen in der Pubertät brechen aus diesem Grunde oft die Schule ab. In einem Dorf wurde z.B. auf Druck der Frauengruppe in der Schule ein zusätzlicher Klassenraum eingerichtet, da die vorhandenen Räume nicht ausreichend waren. In einem anderen Dorf helfen die Frauen bei der Zubereitung des Mittagessens. Die indische Regierung stellt zwar in den Schulen heute ein Mittagessen zur Verfügung - als Anreiz für sehr arme Familien, ihren Kindern die Schulausbildung zu ermöglichen. Die Qualität des Essens ist aber nicht immer gut. Ein weiteres Thema, dass die Frauengruppen angehen, ist die Diskriminierung von Kastenlosen und Angehörigen unterer Kasten. So leisten sie einen wichtigen Beitrag dazu, dass Kinder dieser Familien nicht mehr so häufig die Schule aufgrund von Ausgrenzung abbrechen. Diese beiden Projekte sind ein gutes Beispiel dafür, dass starke Frauengruppen Entwicklungsprozesse in ihren Dörfern selber angehen und gemeinsam sehr viel bewirken können. In der Projektregion der Shimoga Social Service Society gibt es heute kaum noch Kinderarbeit!
|
||||||||
|
|
||||||||