Geschichte
Von der täglichen Handvoll Reis
für Waisenkinder zu nachhaltigen Entwicklungsprogrammen
Die sechziger Jahre
Die siebziger Jahre
Die achtziger Jahre
Die neunziger Jahre
Die ersten Jahre im neuen Jahrtausend
Die
sechziger Jahre: Es geht ums nackte Überleben der Heimkinder
im St. Catherine's Home in Andheri.
1959
Eine deutsche Illustrierte berichtet über die 400 Findelkinder im
St. Catherine's Home in Andheri, einem Vorort von Bombay. Ihre Schicksale
sind erschütternd. Die deutsche Heimleiterin, Schwester Anna Huberta
Roggendorf, kämpft täglich um die Handvoll Reis für ihre
Schützlinge.
1960
Die Religionslehrerin Rosi Gollmann startet mit ihren Kölner Berufsschülern,
mit Freunden und Bekannten die erste Spendenaktion: Für jedes Heimkind
wird ein eigenes Weihnachtspäckchen auf den Weg gebracht, Sachspenden
und Geld werden gesammelt.
1967
Am 5. Mai gründen sechzehn der ersten Helfer den Verein "Andheri-Hilfe
e.V." Zweck des Vereins ist die "Unterstützung der Kinder
im St. Catherine's Home zu Andheri". 449 Spender bringen im Gründungsjahr
insgesamt 171.049 DM auf.
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Die siebziger Jahre: Sprunghafter
Anstieg der Aktivitäten: Förderung weiterer Kinderheime in Indien.
Start der Aktion "Blindenheilung Bangladesch". Bau der Andheri-Hilfe
Zentrale in Bonn.
1971
Andheri-Freunde ermutigen die Vereinsleitung und spenden gezielt für
den Bau der Andheri-Zentrale in Bonn.
Eine erste Halbtagskraft wird gegen Vergütung der Fahrtkosten eingestellt.
1973
Durch eine erste testamentarische Zuwendung und ein zunehmendes Spendenaufkommen
können mehr als 2000 weitere Waisenkinder in 24 Heimen im westindischen
Bundesstaat Karnataka unterstützt werden. Es geht um Befriedigung
der Grundbedürfnisse der Kinder. Außerdem sollen nachhaltige
Maßnahmen diese Kinderheime von fremder Hilfe unabhängig machen.
1974
Die Aktion "Blindenheilung Bangladesch" kommt als neue Aufgabe
auf den Verein zu: Mehr als 1 Million Menschen sind in diesem jungen Staat
- einem der ärmsten der Welt - am Grauen Star erblindet. Es fehlen
Ärzte und Operationsmöglichkeiten, vor allem im ländlichen
Raum. Eine einfache lichtbringende Operation kostet umgerechnet 26 DM.
1978
Immer mehr Bitten um Hilfe aus Waisenhäusern erreichen die Andheri-Hilfe.
Aber die meisten Heimkinder sind keine wirklichen Waisen; sie wurden von
ihren Eltern aus Gründen der Armut den Heimen übergeben. So
wächst bei der Andheri-Hilfe die Erkenntnis, besser die Ursachen
als nur die Symptome anzugehen: Damit Kinder in der Geborgenheit der eigenen
Familie aufwachsen können, werden zur Förderung armer Familien
erste Dorf- und Slumprojekte bewilligt.
1979
Erste Hilfsprogramme für Leprapatienten werden gefördert. Es
geht um ein menschenwürdiges Leben auch für diese "Ausgesetzten",
und zwar durch medizinische Versorgung in einer damals noch üblichen
Langzeitbehandlung (erst seit 1984 ist Lepra durch Multi-Drug-Therapie
heilbar), ferner um ihre Unterbringung in menschenwürdigen Unterkünften
und, soweit möglich, um Verdienstmöglichkeiten für sie
anstelle eines Bettlerdaseins.
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Die
achtziger Jahre: Intensiver Einstieg in Dorfprogramme, Frauenförderung,
Behinderten-Rehabilitation in Indien. Gesteigerte Aktivitäten für
die Blinden in Bangladesch.
1981
Erstmals erhält Andheri-Hilfe Fördermittel vom Bonner Bundesministerium
für wirtschaftliche Zusammenarbeit, und zwar für ein breit angelegtes
Programm zum Kampf gegen die Blindheit in Bangladesch.
1982
Fernsehen und Printmedien berichten überzeugend von der Hilfsaktion
für Blinde in Bangladesch. Daraufhin verdoppelt sich das Spendenaufkommen
im Vergleich zum Vorjahr, Tausende neuer Spender werden gewonnen - eine
enorme Herausforderung für den kleinen, überwiegend ehrenamtlichen
Mitarbeiterstab.
1983
Das 110-Betten-Augenhospital und Ausbildungszentrum für einheimisches
Fachpersonal in Chittagong wird vom Staatsoberhaupt Bangladeschs eröffnet.
1985
Die Mitgliederversammlung beschließt die Ausdehnung der Projektarbeit
auf weitere Länder des indischen Subkontinents. Erste Kontakte zu
Nepal und Bhutan - auch hier mit dem Ziel der Bekämpfung der Blindheit
- werden geknüpft.
In Bangladesch beginnt das Pilotprojekt zur Förderung von hör-
und sprachgeschädigten Kindern.
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit bewilligt
die Kofinanzierung eines umfassenden Programms zur Rehabilitation von
Kinderarbeitern in Indien.
1986
Die Zahl der Förderungsprojekte für Frauen nimmt deutlich zu.
Frauen erweisen sich als besonders fähige Träger der Entwicklung
und des Fortschritts.
Bundespräsident Richard von Weizsäcker überzeugt sich vor
Ort von der erfolgreichen Aktion "Blindenhilfe Bangladesch".
1987
Projekte für behinderte Kinder werden aufgenommen - nicht in der
Form institutioneller Förderung, sondern mit dem Ziel der Integration
der Behinderten in ihr soziales Umfeld von Familie und Dorfgemeinschaft.
Das bringt den behinderten Kindern Selbstachtung und Anerkennung seitens
der Gesellschaft.
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Die
neunziger Jahre: Projekte und Programme werden immer intensiver mit
der Bevölkerung vor Ort geplant und umgesetzt. Einheimische Mitarbeiter
übernehmen in enger Zusammenarbeit mit der Bonner Zentrale die Begleitung
und Koordination der Programme.
1990
In Bangladesch wird die 500.000ste Augenoperation durchgeführt. Maßnahmen
zur Verhütung von Neuerblindungen, besonders bei Kindern, gewinnen
zunehmend an Bedeutung.
1992
Die Zahl der Spender und der Spenden ist kontinuierlich angewachsen (auf
insgesamt 100 Millionen DM in 25 Jahren), ebenso die Zahl der geförderten
Projekte.
Um die intensivere Begleitung unserer Projekte sicherzustellen, werden
zwei Büros in Indien mit einheimischen Fachkräften eingerichtet:
in Bhubaneswar im Nordosten und in Tiruchirapalli im Süden des Landes.
1994
Der Andheri-Hilfe wird auf ihren Antrag hin erstmals das Spendensiegel
des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen als Zeichen der
Seriosität und Glaubwürdigkeit verliehen.
1995
Dem verantwortlichen Umgang mit der Umwelt wird in der gesamten Projektarbeit
immer mehr Bedeutung beigemessen. Wasserbewirtschaftungsprogramme werden
erstmals in die Förderung aufgenommen.
Die Entwicklungsarbeit erreicht zunehmend Siedlungsgebiete indischer Stammesangehöriger.
Die Herausforderung besteht darin, gemeinsam mit diesen Menschen nach
Überlebenschancen zu suchen, ohne dass sie ihre Identität preisgeben
müssen.
1997
Franz Alts Fernsehfilm "Khadizas Weg zum Licht" bedeutet einen
neuen Appell zur Unterstützung der Aktion Blindenhilfe. Die große
Spendenbereitschaft der deutschen Fernsehzuschauer ermöglicht Tausende
weiterer Operationen.
1999
Ein neuer TV-Film von Franz Alt berichtet von der Not indischer Kinderarbeiter
und dem Elend der Straßenkinder - aber auch von der "Befreiung"
von bereits 50.000 dieser Kinder durch Andheri-Hilfe-Projekte.
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Die
ersten Jahre im neuen Jahrtausend:
Wachsende Globalisierung mit all
ihren Auswirkungen auf die Ärmsten bedeutet neue Herausforderungen.
Generationswechsel in der Andheri-Hilfe sichert Zukunft.
2001
Der neue Dokumentarfilm von Franz Alt: "Entwicklung ist weiblich"
rüttelt mit Schilderungen grausamer Schicksale von Mädchen und Frauen auf.
Gleichzeitig zeigen diese Frauen, die mit so viel Mut und Kraft gemeinsam
eintreten für ein wirklich menschenwürdiges Leben: Wir können etwas
verändern!
Die Gründerin der Andheri-Hilfe, Rosi Gollmann, übergibt den
Vereinsvorsitz, den sie 34 Jahre hindurch ehrenamtlich innehatte, an die
langjährige Mitarbeiterin der Andheri-Hilfe e. V., Elvira Greiner.
Sie selbst bleibt als Ehrenvorsitzende und durch ihre weitere bewährte
Mitarbeit ihrem Lebenswerk sowie den Freunden und Partnern hier und in
den Projekten verbunden.
2002
"Fortschritt durch mehr Menschlichkeit" heißt im Juni das Motto der Jubiläumsfeier anlässlich des 35jährigen Bestehens der Andheri-Hilfe.
Die Rosi-Gollmann-Andheri-Stiftung wird gegründet.
Rosi Gollmann erhält im Dezember das "Goldene Herz". Im Rahmen der Spendengala der Bild-Stiftung "Ein Herz für Kinder" im ZDF erhält sie die Auszeichnung für ihr Lebenswerk. Frau Gollmann nimmt den Preis stellvertretend entgegen für die unzähligen Spenderinnen und Spender hier, die Projektpartner in Indien und Bangladesch, die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die zu den Erfolgen in mehr als 1.000 Projekten beigetragen haben.
Verbunden mit dem Preis des "Goldenen Herzens" ist ein Scheck in Höhe von 125.000 Euro.
2003
Im Januar findet in Bangladesch die ein millionste Augenoperation unter dem Programm der Andheri-Hilfe statt. "Millionärin" ist die vierzehnjährige Hasna, jahrelang blind, nun glücklich zu sehen. Der bekannte Journalist und TV-Moderator Franz Alt beeindruckt mit seinem aktuellen Dokumentarfilm "Vom Glück zu sehen" die deutsche Öffentlichkeit. Viele neue Freunde und Spender unterstützen die Arbeit der Andheri-Hilfe.
2004
Die Flutkatastrophe (Tsunami) am 26. Dezember bringt tausendfaches Leid an die südindische Küste. Zahlreiche Projekte der Andheri-Hilfe sind unmittelbar durch die Flutwelle betroffen. Die einzigartige Hilfsbereitschaft in Deutschland ermöglicht es der Andheri-Hilfe, langfristige Hilfe beim Wiederaufbau der zerstörten Wohnhäuser, beim Ersatz von Fischerbooten und -netzen, bei der Förderung der betroffenen Kinder und Jugendlichen zu leisten.
2005
Franz Alt ist in Indien unterwegs, um die Arbeit der Andheri-Hilfe zur Förderung von Kindern mit Behinderungen zu dokumentieren. Während er sich in Orissa aufhält, schlägt der Tsunami an der Südküste zu. Er fährt hin und bringt - neben dem geplanten Film - erschütternde Berichte aus dem Katastrophengebiet mit. Im Oktober wird die Gründerin und Ehrenvorsitzende der Andheri-Hilfe, Rosi Gollmann, vom Bundespräsidenten Horst Köhler mit dem großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
2006
Die Qualität unserer Arbeit noch weiter zu verbessern, noch stärker zu einem Lernprozess bei den Menschen in den Projekten, bei den Partnern und bei uns beizutragen, ist zwar ein kontinuierliches Thema, bildet aber im Jahre 2006 einen Schwerpunkt. Die sechs indischen Kollegen vom Andheri Trust kommen
nach intensiven Vorbereitungen zu einem 10-tägigen Workshop nach Bonn (die Kosten werden von einigen Andheri-Hilfe Freunden übernommen).
2007
40 Jahre Andheri-Hilfe: Gemeinsam mit vielen Freunden hier in Deutschland
sowie in Bangladesch und Indien freut sich die Andheri-Hilfe über die
Erfolge, die in vier Jahrzehnten erreicht werden konnten. Gleichzeitig ist
dieses Jubiläum Herausforderung und Motivation für noch stärkeres
Engagement unter dem Motto: "Gemeinsam für mehr Menschlichkeit".
Das Jahr beginnt mit einem neuen Dokumentarfilm von Dr. Franz Alt: "Das
Wachstum steigt, die Armut bleibt". Hier wird auf der einen Seite die
positive Entwicklung in Indien sichtbar, auf der anderen Seite belegt der
Film sehr eindringlich: Die 300 Millionen Menschen, die in Indien noch immer
von weniger als einem Dollar pro Tag leben müssen, brauchen noch dringend
unsere Starthilfe.
Einnahmeentwicklung 1967 - 2006
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