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Blindheit und ihre Folgen bekämpfen
(1) Gesellschaftliche Verantwortung und Kompetenz stärken

Prävention ist wichtig, denn Vermeiden ist besser als Heilen. Mangelernährung und Unfälle in der Landwirtschaft sind in Bangladesch wichtige Faktoren bei der Entstehung von Augenerkrankungen und Erblindungen. Dagegen hilft Bewusstseinsbildung bzw. Gesundheitserziehung.

Viele unserer Partner in Bangladesch bauen Selbsthilfevereinigungen ( Beispiel ländliche Entwicklung) auf, die mit Nachdruck gegen Ausbeutung und Unterdrückung angehen. Die wöchentlichen Treffen solcher Vereinigungen dafür zu nutzen, neben Themen wie Ernährung, Hygiene oder die Bedeutung sauberen Wassers auch ausführlich über Augengesundheit zu sprechen, ist ein neuer Ansatz, der erfolgversprechend ist. Das Thema wird nicht nur einmal zur Sprache gebracht, sondern immer wieder.

Unsere Partner vor Ort initiieren weitere Maßnahmen. Das Anlegen von Küchengärten ist ein Beispiel. Mit vergleichsweise geringem finanziellen Aufwand kann sich eine Familie schnell über das ganze Jahr hinweg mit wichtigen Nährstoffen versorgen. Gesundheitsberater begleiten die Familien, stehen mit Rat zur Seite und können helfen, wenn es Probleme gibt.

Sehtests in Grundschulen ( Feature zu Sehtests in Schulen) spielen eine wichtige Rolle bei der Früherkennung von Augenerkrankungen. Die jetzigen Sehtestprogramme der "neuen Generation" gehen einen wichtigen Schritt weiter als ihre Vorgänger. Die Schüler, denen eine Brille empfohlen wird, können diese an Ort und Stelle erhalten. Für unsere Partner von der "Bangladesh National Society for the Blind", die von den Nichtregierungsorganisationen mit der Durchführung von insgesamt 30 Schulsehtestprogrammen beauftragt werden und in Eigenregie nochmals 175 solcher Programme ausführen, steht fest: Ohne garantierte Brillenversorgung keine Sehtests. Ein Mitarbeiter ist für die Qualitätskontrolle und Überwachung des Programms verantwortlich. Die Erfahrungen sollen systematisch erfasst werden und dienen der fortwährenden Verbesserung des Programms. Ganz wichtig: In regelmäßigen Abständen soll überprüft werden, ob es Probleme mit der Brille gibt oder andere Probleme rund um das Auge aufgetreten sind.

Wichtig sind auch Qualifizierungsmaßnahmen. Da Mangelernährung eine der wichtigsten Ursachen für Augenerkrankungen und Erblindungen bei Kindern ist, wird ein spezielles Trainingsprogramm durchgeführt, um Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen zu schulen. Sie können ihr Wissen dann an die Selbsthilfegruppen weitergeben. Lehrer, die wichtige Multiplikatoren sind, erhalten eine Extraschulung, um neben Aufklärung auch frühzeitig erkennen zu können, ob bei dem ein oder anderen Schüler ein Sehproblem vorliegt. Insgesamt sind 30 Kurzschulungen für Lehrer vorgesehen.

Die Selbsthilfegruppen haben durch jahrelange Arbeit erreicht, in den Gemeinden gehört zu werden. Lokale Politiker, Verwaltungschefs, angesehene Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wissen um ihre Arbeit. So ist auch eine frühzeitige Einbindung lokaler Gesundheitsdienste möglich. Rundtischgespräche , an denen Vertreter der Zielgruppe, die Partner der Andheri-Hilfe und mit der Planung und Durchführung von gesundheitsfördernden oder -erhaltenden Maßnahmen betraute lokale Gesundheitsdienste teilnehmen (z.B. Mitarbeiter von staatlichen Gesundheitsstationen) sollen dazu beitragen, dass auch die ärmeren Segmente der Bevölkerung die verfügbaren Gesundheitsdienstleistungen (z.B. im Bereich Ernährung, Familienplanung, Impfungen) in Anspruch nehmen können. Projektmitarbeiter und Vertreter der Gruppen werden auch staatliche Einrichtungen in Gestalt z.B. der so genannten Family Welfare Centres und Upazilla Health Complex regelmäßig aufsuchen, damit Vertrauen entsteht - und Transparenz.

Professionelle Hilfe kommt hier von einem anderen Partner der Andheri-Hilfe, "Community Development Library" (CDL). CDL ist spezialisiert auf Kommunikation, Information und Dokumentation und verschafft Menschen mit Behinderungen Zugang zu Entwicklungspfaden - unter aktiver Beteiligung dieser Gruppe. Die Arbeit von Organisationen, die sich dieser Zielgruppe annehmen, soll verbessert und andere Organisationen sollen dazu gebracht werden, diese Zielgruppe in bestehende oder neue Programme aufzunehmen. Diese Programme sollen nicht "von der Stange kommen", sondern zusammen mit den Betroffenen erarbeitet werden. CDL initiiert den Dialog (z.B. Gespräche am Runden Tisch, Arbeitstreffen, Planungsseminare) mit verschiedenen Interessengruppen, z.B. Vertreter lokaler Entwicklungsorganisationen und der Verwaltung, Lehrer, Medienvertreter, Geistliche und natürlich Menschen mit Behinderungen. Letztere erklären ihre Probleme und Erwartungen und machen deutlich, wie sie sich eine verbesserte Lebenssituation vorstellen. CDL liefert unterstützende Medien, z.B. Videodokumentationen, die auf Leinwänden zu sehen sind, organisiert Kundgebungen und verteilt Flugblätter u.ä..

Der gewählte Ansatz schafft nicht nur ein gemeinsames Problemverständnis und mehr Solidarität. Oft schafft er auch die Grundlage für eine Zusammenarbeit zwischen den Entwicklungsorganisationen oder zwischen Entwicklungsorganisationen und der lokalen Verwaltung. Dies fehlt oft in Bangladesch.

Indikatoren wie soziale Akzeptanz, Bildung, Gesundheit und Einkommen verbessern sich durch die Arbeit der CDL, so unabhängige Gutachten. Das liegt auch daran, dass mittlerweile viele lokale Entwicklungsorganisationen Menschen mit Behinderungen als Zielgruppe entdeckt und sie in bestehende Gruppen integriert haben.

So wichtig Operationen auch sind, Aspekte wie Prävention und Früherkennung, Kapazitätsaufbau, Vernetzung von Partnern verschiedener Ausrichtung und Spezialisierung und der Aufbau gesellschaftlicher Solidarität und Kompetenz für die Anliegen und Rechte von Menschen mit Sehbehinderungen umzusetzen, bedeutet, strukturbildende Arbeit zu leisten, und diese Arbeit ist unentbehrlich.

Augenmedizinische Dienstleistungen für arme Bevölkerungsgruppen bereitstellen (Baustein 2)


 

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