Tamil Nadu: Mädchentötung durch Ausbildung verhindern
Das in Indien weit verbreitete Übel der Mädchentötung und Abtreibung weiblicher Föten hat meist ökonomische Gründe: Frauen heiraten, verlassen die Familie und sorgen im Alter nicht für die Eltern. Zudem muss man ihnen eine hohe Mitgift in die Ehe mitgeben, die eigentlich der Absicherung der Frau im Todesfalle des Mannes dienen soll, meist aber als wirtschaftlichen Zugewinn der Familie des Bräutigams missbraucht wird. Zwar ist diese Praxis in Indien verboten, doch wird die Einhaltung des Verbots kaum geahndet. Zu tief verwurzelt ist die Missachtung der Frau und die Tradition, eine Tochter nur unter Zugabe einer Mitgift zu verheiraten. Reiche Familien leisten sich einen Ultraschall und lassen abtreiben, arme Familien flößen ihren Säuglingen Gift ein, oder stillen das Baby einfach nicht. Oft geschieht dies unter Druck der Schwiegereltern, dem die jungen Mütter kaum Stand halten können.
Unser Projektpartner ARD kämpft seit vielen Jahre erfolgreich gegen die Praxis der Mädchentötung. In vielen Dörfern wird nun zur Begrüßung eines neugeborenen Mädchens eine Kokospalme gepflanzt, anstatt dem Säugling Gift einzuflößen. Die Menschen haben erkannt, dass eine Frau genau denselben Wert hat, wie ein Mann und dass der Verzicht auf die Praxis der Mitgiftzahlung der ganzen Gesellschaft zugute kommt.
In einem eigens errichteten Gebäude erhalten die Jungen und Mädchen aus 40 Dörfern Ausbildung in Computeranwendung, Nähen und Elektrik. Parallel erhalten die Jungen und Mädchen sowie deren Familien Aufklärungsunterricht. Die Praxis der Mädchentötung wird in diesen Gruppen aus Männern und Frauen diskutiert. Über Rollenspiele und Theaterstücke wird den Menschen langsam klar, dass die Mädchen ein Recht auf Leben haben und die Diskriminierung der Frau ein Fehler ist.
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